Olympische Jugendspiele : Hobbies? Sport!

Bei der ersten Olympischen Jugendspielen in Singapur kämpfen auch Berliner Athleten um Medaillen Sie haben sich lange vorbereitet – und träumen schon von den "großen" Wettbewerben.

Franziska Ehlert
Auf Umwegen. Franziska Hanko und Eric Krüger (beide 17) kamen eher zufällig zum Modernen Fünfkampf – jetzt würden die Jugendlichen aber mit niemand mehr tauschen. Beide besuchen in Berlin eine Sportschule.
Auf Umwegen. Franziska Hanko und Eric Krüger (beide 17) kamen eher zufällig zum Modernen Fünfkampf – jetzt würden die Jugendlichen...Foto: Mike Wolff

Den Traum, einmal Olympiageschichte zu schreiben, hegen viele junge Sportler. Jetzt wird er für 70 deutsche Nachwuchsathleten wahr: Sie sind zu den ersten Olympischen Jugendspielen nach Singapur geflogen, wo sie bei den „Youth Olympic Games“ bis zum 26. August um Medaillen kämpfen. Wir stellen vier Berliner Sportler aus der deutschen Nationalmannschaft vor.

TURMSPRINGERIN

Kieu Duong träumt davon, ihre Premiere bei den „großen Spielen“ zu feiern. „London 2012 ist mein Ziel. Es wird hart, aber ich möchte diesen Weg gehen“, sagt die Turmspringerin vom Berliner TSC. Für die Jugendspiele wünscht sich die Deutsche eine Medaille. „Aber wenn es nichts wird, ist es auch nicht so schlimm. Es geht mehr darum, ein Gefühl für Olympia zu bekommen.“ Die 15-jährige Jugend-Europameisterin, deren Eltern in den 80er Jahren aus Vietnam nach Deutschland kamen, trug bei der Eröffnungsfeier der „Youth Olympic Games“ die schwarz-rot-goldene Flagge. „Es ist eine Ehre“, sagt Kieu Duong, „und dann auch noch bei den ersten Jugendspielen. Das ist ein Hammer.“ Ihre Disziplin erfordert neben Schwindelfreiheit vor allem ein hohes Maß an Körperspannung und Konzentration. „Man will den anderen unbedingt zeigen, dass hinter jedem Sprung harte Arbeit steckt. Wenn man es dann verpatzt, ist man wahnsinnig enttäuscht von sich selbst.“ Bei dem Gedanken an die Spiele war sie schon vor ihrem Abflug nervös. In Singapur muss sie insgesamt acht Sprünge zeigen – vier darf sie frei wählen, die anderen vier sind für alle Teilnehmer gleich. Zur Beruhigung begleitet ein Plüschteddy die Berlinerin zum Wettkampf. Von der Welt hat die 15-Jährige schon eine Menge gesehen, unter anderem war sie bei der Qualifikation in Mexiko dabei. „Daran denke ich immer an Tagen, an denen ich die Nase voll habe.“

Kieu Duong ist 15. Sie hat in Singapur die Flagge getragen.
Kieu Duong ist 15. Sie hat in Singapur die Flagge getragen.Foto: privat

MODERNE FÜNFKÄMPFERIN

„Ich kann mir keinen besseren Sport vorstellen“, sagt Franziska Hanko. Dabei kam sie eher zufällig zum modernen Fünfkampf. An der Sportschule hatte sich die 17-Jährige ursprünglich fürs Schwimmen beworben, „aber die Trainerin sagte, ich müsste mich richtig anstrengen, um gut genug zu sein“. Beim Fünfkampf allerdings gab es noch freie Plätze. „Das fand ich auch interessant, und nur zu schwimmen war mir auf Dauer zu langweilig.“ Spätestens seit der Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele bei der vergangenen WM bereut sie nicht mehr, sich für die Kombination aus Laufen, Reiten, Fechten, Schwimmen und Schießen entschieden zu haben. Ihre Wettkämpfe geht sie zumindest äußerlich gelassen an: „Ich versuche einfach, meine Bestleistung zu bringen.“ Jetzt ist sie dort, wo unter dem Beifall von 3000 Zuschauern auf dem Kent Ridge Campus der „National University of Singapore (NUS)“ die Ankunft der Flamme nach deren 15-tägigen Reise um die Welt gefeiert wurde. Das gefiel auch Hanko, obwohl sie eher der ruhigere Typ sei, wie sie von sich selbst sagt. Wenn sie vor den Wettkämpfen Druck spüre, „dann nur von mir selbst“. Welche Hobbys die Schülerin der Charlottenburger Poelchau-Oberschule hat? Nur eines. „Sport.“

Lena Gohlisch ist 16. Sie spielte schon früher Streetball.
Lena Gohlisch ist 16. Sie spielte schon früher Streetball.Foto: privat

MODERNER FÜNFKÄMPFER

Dass man seine Leidenschaft für den modernen Fünfkampf eher zufällig entdeckt, scheint ein verbreitetes Phänomen zu sein: Außerplanmäßig landete auch Eric Krüger bei der Kombinationssportart. „Ich komme eigentlich vom Eisschnelllauf. An der Sportschule wollte ich mich dann für Fußball bewerben. Ich schaffte das Auswahlverfahren nicht und bekam den Tipp, es bei den Fünfkämpfern zu versuchen.“ Ebenso wie seine Teamkollegin Franziska besucht der 17-Jährige die Charlottenburger Poelchau-Oberschule. „Am Anfang war der Druck meiner Eltern recht intensiv, aber das hat sich im Laufe der Jahre beruhigt. Jetzt bin vor allem ich es, der die Erwartungen hochschraubt.“ Von der Schule fährt er mit dem Shuttlebus zum Training zum Olympiasportpark nahe dem Stadion in Charlottenburg. Abends nach dem Training kommen die Hausaufgaben. Die Freude auf Singapur wog stärker als Druck und Erwartungen. „Das Gefühl, bei den allerersten Jugendspielen dabei zu sein, finde ich großartig.“ Einmal bei den großen Olympischen Spielen teilzunehmen, kann er sich gut vorstellen. „Vielleicht Rio 2016“, sagt er schmunzelnd. Aber jetzt genießt er erst mal Singapur, lässt die Atmosphäre der Sportler aus allen Ländern der Welt auf sich wirken.

BASKETBALLERIN

Die Vorfreude ist in den letzten Tagen immer größer geworden. Dabei kennt Lena Gohlisch die Teamkolleginnen aus dem deutschen Team bisher nur von Spielen gegeneinander. Jetzt trainiert die 16-Jährige mit ihnen zusammen in Singapur. Die Spielerin des Vereins „Berlin Baskets“ hatte in Berlin vorm Brandenburg Tor beim „Youth Olympic Day“ mit dem früheren Turner und jetzigem Rollstuhl-Handbiker Ronny Ziesmer gemeinsam die Flamme entzündet. Und jetzt wird es in Singapur ernst. „Beim Damenbasketball bekommt man eigentlich kaum die Möglichkeit, sich für die großen Spiele zu qualifizieren“, sagt Lena Gohlisch. Schon seit der vierten Klasse spielt sie Streetball, eine besondere Form des Basketballs: In der Formation drei gegen drei wird auf nur einen Korb geworfen, ein Spiel, das vor allem von seinem hohen Tempo lebt – so wird auch in Singapur gespielt. Die Berlinerin qualifizierte sich bei einem Seminar in Hamburg für die Spiele. Nach zwei Trainingstagen wurde sie in einem Turnier gemeinsam mit drei anderen Mädchen fürs deutsche Team ausgewählt. Eine spezielle Sportschule besucht sie nicht – für die Schülerin des Französischen Gymnasiums muss sich das Training dem hohen Unterrichtspensum unterordnen. In Singapur gehört ihre Aufmerksamkeit jetzt aber ganz dem Sport: Jeden Tag bestreitet Lena mit ihrer Mannschaft ein Spiel.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar