Berlin : Olympisches Zittern

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"Eiskunstlaufmütter sind schlimm" sagt Edeltraud Jeschke. Nicht, weil sie ihre Kinder unter Druck setzen, sondern weil sie selbst so sehr mitzittern. Die Nacht zum Dienstag war für Frau Jeschke besonders schlimm. Zusammen mit ihrem Mann saß sie im Lichtenberger Wohnzimmer vor dem Fernseher und bangte mit ihrem Sohn.

Der 22-jährige Norman Jeschke legte mit seiner ein Jahr jüngeren Partnerin Mariana Kautz die Kür auf das olympische Eisparkett in Salt Lake City. Sie kamen auf Rang 14. "Wir waren voller Hoffnung und sind jetzt doch enttäuscht", sagt Mutter Jeschke. Doch dann ordnet sie das Ereignis anders ein: "Für die beiden war es schon ein Traum, überhaupt dabei zu sein."

Bei der WM in Lausanne vor wenigen Wochen hatte es gerade noch für Platz 8 gereicht, der zur Olympiateilnahme berechtigt. "Da hat der Norman am Telefon geweint wie ein kleines Kind." Jetzt, nach der Olympia-Nacht, hat sie noch nicht mit ihrem Sohn gesprochen. Nach einer solchen Nacht kommt sie ins Zweifeln: "Manchmal weiß ich nicht, ob ich ihm einen Gefallen mit dem Eiskunstlauf getan habe. Der Druck ist doch sehr groß." Schon mit drei Jahren stand Norman das erste Mal auf Schlittschuhen und wurde dann beim Verein Dynamo Berlin systematisch gefördert. Heute startet er für den SC Berlin. Wie auch seine sportliche Partnerin Mariana Kautz. Seit 1998 laufen die beiden zusammen.

Und wie haben die Eltern Kautz die Nacht zum Dienstag erlebt? "Mit quadratischen Augen", sagt Michael Kautz. Vom Fernsehschauen, versteht sich.

Er sei weder glücklich noch enttäuscht, weil er von vornherein mit einem Platz zwischen 10 und 15 für seine Tochter und ihren Eislaufpartner gerechnet hatte. Seine Frau sei aber schon sehr traurig. Das Ehepaar aus Heinersdorf hat schon mit Mariana in Salt Lake City gesprochen. Der kleine Sturz während der Kür habe wehgetan. Es passierte, als Norman Jeschke seine Partnerin während einer so genannten Handstandhebung hochhob. Die Enttäuschung habe sie aber schon ganz gut verkraftet.

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