Berlin : Oma und Opa werden immer jünger

Adelheid Müller-Lissner las aus ihrem Buch

Daniela Martens
Adelheid Müller-Lissner
Wissenschaftsredakteurin Adelheid Müller-Lissner -

Adelheid Müller-Lissner hat eine ruhige, volle Stimme. Eine Märchenbuch-Vorlese-Stimme. Ideal für eine Großmutter. Ansonsten wirkt an der schlanken Frau in modischen kniehohen Stiefeln nichts großmütterlich. Doch die Tagesspiegel- Wissenschaftsredakteurin ist seit drei Jahren „Oma“ und hat ein Buch darüber geschrieben: „Enkelkinder! Eine Orientierungshilfe für Großeltern“ (Christoph Links Verlag, Berlin).

An diesem Winterabend sitzt sie auf der kleinen Bühne des Löwenpalais im Grunewald und liest daraus vor wie aus einem Märchenbuch. Doch von Rotkäppchens bettlägriger Großmutter im Spitzenhäubchen ist das, was sie liest, weit entfernt. Denn darum geht es ihr: „Großeltern werden biologisch immer jünger“, sagt sie im Gespräch mit dem Moderator des Abends, Tagesspiegel- Redakteur Andreas Austilat. Und die heutige Großelterngeneration ist „vom Lebensgefühl der Studentenbewegung, von Popkultur und Revolte gegen kleinkarierte Familienverhältnisse geprägt“, heißt es in ihrem Buch. Großeltern-Ratgeber gingen darauf in der Regel bislang jedoch nicht ein, sagt Adelheid Müller-Lissner. Sie hofft, dass jetzt das Thema ein bisschen attraktiver wird. „Großmuttersein ist noch immer überhaupt nicht sexy.“

„Das sieht man dir aber gar nicht an“. Dieser Satz sei das Beste, was einem als Großmutter passieren kann. Dann will sie wissen, wer aus dem Publikum ebenfalls Großvater oder -mutter sei. Fast alle Finger schießen in die Höhe. Und auch Adelheid Müller-Lissner lässt sich auf das Standard-Kompliment ein: „Sie sehen alle noch so jung aus.“

Auf Hanna Strack trifft das auf jeden Fall zu. Die 57-jährige Zuhörerin verrät in der Pause, dass sie schon beinahe zweifache Großmutter ist, demnächst bekommen ihr Sohn und seine Frau Zwillinge. „Großmutter ist ein wunderbarer Status“, sagt sie. „Ich habe dabei keine Angst alt zu wirken. Ganz im Gegenteil.“ Dabei lässt sie sich ihren „Seniorenteller“ von der Firma esskultur schmecken: Ein exotisch-orientalisches Zucchinigericht, leichte Kost, aber ganz und gar nicht altmodisch.

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