Berlin : OP-Skandal: AOK kündigt Krankenhaus Vertrag für künstliche Gelenke ausgesetzt

Berlins größte Krankenkasse, die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK), hat erste einschneidende Konsequenzen aus dem Skandal um falsch eingesetzte Knie- und Hüftgelenke im St.-Hedwig-Krankenhaus in Mitte gezogen. Die Kasse setzte einen sogenannten „integrierten Versorgungsvertrag für Knie- und Hüftgelenke“ mit der Klinik vorerst aus und beendete damit ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Die Vereinbarung werde aller Voraussicht nach auch noch aufgehoben, hieß es bei der AOK. Ziel des 2005 abgeschlossenen Vertrages war ein umfassendes Versorgungskonzept zur Verbesserung der Behandlungsqualität.

Krankenhäuser mit besonders qualifizierten Fachärzten wurden dazu ausgewählt. Die Operateure sollten laut Vertrag mindestens 50 OP’s an Knie- und Hüftgelenken pro Jahr vornehmen und sich nachweislich regelmäßig fortbilden. „Hohe Anforderungen“ würden zum Wohle der AOK-Patienten gestellt, erklärte damals ein Vertreter des St.-Hedwig-Krankenhauses anlässlich des Vertragsabschlusses. Dazu gehörte, dass die Klinik enger mit den niedergelassenen Orthopäden und Physiotherapeuten zusammenarbeitete und so eine integrierte ganzheitliche Versorgung sicherstellte. Das sollte unnötige Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Außerdem übernahm das Krankenhaus im Falle von Behandlungs- und Materialfehlern bei Kniegelenken eine Gewährleistung von acht Jahren, bei Hüftgelenken von zehn Jahren.

Gleichlautende Verträge schloss die AOK 2005 mit vier weiteren Kliniken ab – mit dem Krankenhaus Hedwigshöhe in Treptow, dem Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau, dem Martin-Luther-Krankenhaus in Charlottenburg/Wilmersdorf und der Elisabeth Klinik in Mitte. Wie berichtet, hat das St.-Hedwig-Krankenhaus in 47 bekannt gewordenen Fällen falsche Kniegelenksprothesen eingesetzt. Die Zahl der implantierten fehlerhaften Hüftgelenke ist noch unklar. CS

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