Berlin : Open-Air-Ausstellung erinnert an Opfer der Nazis

Berlin - An der Philharmonie erinnert seit Sonntag eine kleine Open-Air-Ausstellung an die Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde. Die Verbrechen, denen bei der sogenannten Aktion „T4“ zehntausende kranke und behinderte Menschen zum Opfer fielen, waren dort in einer 1950 abgerissenen Villa mit der Postanschrift Tiergartenstraße 4 organisiert worden.

Die Dokumentation ist Teil des Berliner Themenjahres „Zerstörte Vielfalt“ und wird bis 17. November gezeigt. Im Mittelpunkt steht das Leben von Anna Lenkering, die in der württembergischen „Euthanasie“-Anstalt Grafeneck ermordet wurde. Der Aktion „T4“, die nach der Anschrift der Villa benannt war, fielen allein zwischen Anfang 1940 und August 1941 mehr als 70 000 behinderte und kranke Menschen zum Opfer. Die Ermordung mit Gas in den Anstalten Brandenburg an der Havel, Pirna-Sonnenstein, Hadamar, Hartheim, Bernburg und Grafeneck gilt als Vorstufe der systematischen Ermordung der europäischen Juden.

Der Weg zu dem Massenmord an Kranken und Behinderten wurde bereits 1933 mit dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ eingeleitet. Zehntausende Frauen und Männer wurden danach zwangssterilisiert. Mit der Ermordung behinderter Kinder in sogenannten „Kinderfachabteilungen“ begannen im Herbst 1939 die NS-„Euthanasie“-Morde.

An der Berliner Philharmonie erinnern bislang eine Bodenplatte, eine Informationstafel und eine Metallplastik des Künstlers Richard Serra an die NS-Geschichte des Ortes. Bis zum Herbst soll dort ein neuer Gedenk- und Informationsort entstehen, für den der Bund 500 000 Euro bewilligt hat. Das zum 80. Jahrestag der NS-Machtübernahme Ende Januar eröffnete Berliner Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ erinnert an von den Nazis Vertriebene und Ermordete. KNA

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben