Berlin : Open Air: Wie aus Sängern echte Helden werden

Elisabeth Binder

Das ist das Schöne an guten Zwecken: Manchmal erreichen sie mehrere Ziele mit einer einzigen Veranstaltung. Zum Beispiel den, auch die wenigen verbliebenen Nicht-Sportsüchtigen einmal auf den heiligen Rasen oder ans heilige Netz zu locken, weil die Kunst eben auch ungewöhnliche Orte suchen muss, um der Wohltätigkeit zu dienen. Diesmal war es das Orchester der Deutschen Oper, das mit seinem Benefiz-Konzert als Einstieg in das Damentennis-Turnier German Open einer ganzen Reihe kunstsinniger Menschen dazu verhalf, demnächst auch mitreden zu können, wenn es um das ehrwürdige Gelände des LTTC "Rot-Weiß" geht. Dass Regenschirme in diesen Breitengraden zum Open Air dazu gehören wie die Mücken zum Seepicknick ist klar. Die Aussicht aufs zarte Maigrün, das hinter der Bühne harmonisch in den Hundekehlesee überging, konnte allerdings niemanden davon ablenken, dass es vor allem auch hundekalt war.

Für die Zuschauer eines solchen Konzerts geht das ja noch, viele standen auch zwischendurch mal auf und gingen auf und ab, was vielleicht nicht gerade höflich, als Grippe-Prophylaxe aber zumindest opportun war. Aber wer weiß, wie sehr Sänger um ihre Stimme fürchten, kann vielleicht das Opfer ahnen, das dieser unentgeltliche Auftritt bedeutet hat. Amanda Halgrimson in Schal und Mantel, Fionnuala McCarthy im leichten geblümten Kleid, sowie Peter Edelmann und Arutjun Kotchinian sangen zu Gunsten der Christiane Herzog Stiftung und der Sterntaler Hilfe für Kinder und Familien - und hielten bei zehn Grad und Nieselregen knapp zwei Stunden durch. Großes Herz zu großen Arien. Das Programm begann morgendlich leicht mit dem Strauss-Walzer "An der schönen blauen Donau" und steigerte sich über Rossini zu der mit Bravo-Rufen bedachten und von Amanda Halgrimson vorgetragenen Arie aus Lucia di Lammermoor. Elegant improvisiert im zweiten Teil das von Peter Edelmann und Fionnuala McCarthy eindringlich gesungene Zauberflöten-Duett über die Männer, welche Liebe fühlen. Eine elegante Kunstpause ließ die Liebe unterm Hubschraubergeknatter wenigstens nicht ersterben. Das Orchester der Deutschen Oper spielte unter der Leitung von Christian Thielemann und spendete auch noch 10 000 DM für den guten Zweck.

Klaus-Dieter Heinken vom Lions Club Berlin Intercontinental, der dieses Konzert organisiert hat, war sehr zufrieden. Im letzten Jahr, als das Konzert bei wunderbarer Wärme gegeben wurde, war nur ein Fünftel des diesjährigen Spendenergebnisses erreicht worden. Runde 100 000 DM kamen zusammen. Später versammelte sich alles im Zelt des Hotels Intercontinental, um bei einem Frühlingsbüffet weitere Pläne zu schmieden. Der Aperitif wurde den Kellnern mit tauben Fingern vom Tablett gepflückt: dampfender, heißer Glühwein.

Als vor drei Jahren das erste Benefiz-Konzert auf dem Center Court dargeboten wurde, war Christiane Herzog, die unermüdliche Trommlerin für das Wohl von Mukoviszidose-Kranken noch selbst dabei. Ihr Name hat immer noch eine große Zugkraft, viele der Beteiligten hätten sich vor allem ihretwegen zur ehrenamtlichen Mitabeit bereit gefunden. Schirmherr Roman Herzog war wegen einer eigenen Erkrankung nicht gekommen. So nahm dann Anne von Fallois, die frühere perönliche Referentin von Christiane Herzog die Spende stellvertretend entgegen. Ein kleiner Spaziergang übers Gelände, hier und da ein kurzes Verharren, um einen langgezogenen Ballwechsel zu beobachten, gab der Gala den letzten Schliff. Wer weiß, vielleicht kommt mancher Opernfan ja noch vor Ablauf des Jahres einmal wieder hierhin zurück.

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