Oper : Der Stern von Lichtenberg

Kinder aus dem Bezirk studieren mit Künstlern der Staatsoper ein Stück ein.

Jana Scholz
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Der Jugend eine Bühne. Ein Nachwuchssänger übt seinen Auftritt bei der Inszenierung der Oper »L'Ètoile«, bei der Mitglieder der...Foto: Mike Wolff

„Wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich total anders als sonst“, erzählt die neunjährige Kanita begeistert. Seit fast einem Jahr bereitet sie sich mit über 100 anderen Kindern auf die Vorführung der Oper „L’étoile“ von Emmanuel Chabrier vor, die im Mai an der Staatsoper Unter den Linden Premiere feiern wird. Parallel zeigt das Opernhaus die „Erwachsenenversion“ des Musikdramas unter der Leitung von Sir Simon Rattle.

Zwei Mal wöchentlich proben die kleinen Sänger mit Musik- und Tanzpädagogen der Staatsoper und Sozialpädagogen der Caritas, die das Projekt „Sternzeit F:A:S“ im Stadtteil Frankfurter Allee Süd, kurz FAS, betreuen. Alle Kinder entstammen den dortigen Jugendzentren, Schulen, Horts und der Pfarrgemeinde des Lichtenberger Viertels.

Doch bei aller Vorbereitung: Als sich jetzt der Bühnennachwuchs und Sänger der Staatsoper im Theatersaal des „Steinhauses“ in der Lichtenberger SchulzeBoysen-Straße kennenlernten, verfolgten die Kinder erst mal mit aufgerissenen Augen und Mündern den Ausschnitt aus „La Traviata“, den die vier Profis zur Einstimmung präsentierten. In den kommenden Monaten werden sie gemeinsam mit den Kindern proben. Auch die Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich besuchte das erste Treffen und war beeindruckt: „Heute bin ich wirklich gerne Bürgermeisterin. Ich habe andauernd Gänsehaut.“

Zugleich wurde das Opernplakat enthüllt, für das der Werbefotograf Sebastian Hänel gewonnen wurde, der schon Fußballspieler der Nationalmannschaft ablichtete. Auf dem Plakat sind abwechselnd ein Junge und ein Mädchen beim Stage-Diving zu sehen. Die zehnjährige Sängerin Viginie findet das Plakat schön, „aber es sollten mehr Sterne darauf zu sehen sein“. Schließlich sind sie in dem Musiktheater die astrologischen Ratgeber der Menschen.

Von einem der jungen Teilnehmer des Projekts wurde die erste Probe mit den Opernsängern schon fleißig fotografiert. Die Kinder können ganz nach ihren Fähigkeiten und Vorlieben alle Aufgaben rund um das Stück übernehmen: So sind sie etwa für die Gestaltung der Internetseite wie auch für Bühnenbild und Kostüme zuständig. „Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, sich einen eigenen schöpferischen Weg zu erschließen, der den Zugang zu klassischen und zeitgenössischen Kunsterfahrungen ermöglicht“, sagt der künstlerische Produktionsleiter der Staatsoper, Rainer Brinkmann.

Einen Ausflug in die Staatsoper haben sie bereits im letzten Jahr gemacht und konnten dabei einem Querflötensolo lauschen und verschiedene Musikinstrumente kennenlernen. In den nächsten Wochen wird Sir Simon Rattle selbst die Proben besichtigen. Am 6./7. Mai kann das Publikum das Kindermusiktheater in der Staatsoper ansehen, anschließend folgen vier Aufführungen im Theater an der Parkaue. Jana Scholz

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