Oper : "Zauberflöte" in der U-Bahn

Kultur im Untergrund: Im neuen Berliner U-Bahnhof am Bundestag wird Mozarts "Zauberflöte" neu inszeniert. Die Proben haben begonnen, Premiere ist Ende April.

Marion Schierz[ddp]

BerlinIm Berliner Untergrund erklingen bald live Opernarien. Regisseur Christoph Hagel will im fertiggestellten, aber noch nicht in Betrieb genommenen U-Bahnhof Bundestag Mozarts Oper "Die Zauberflöte" inszenieren. Am Ostermontag kamen die Sänger zum ersten Mal zur Probe zusammen. Obwohl sie sich nicht kannten, ging es sofort musikalisch zur Sache. Alle hatten ihre Texte bereits einstudiert. "Schon in der nächsten Woche wollen sie mit Orchester proben, ab Anfang April dann im Bahnhof", kündigte der Regisseur an. Am 26. April ist Premiere.

Hagel ist in Berlin bereits bekannt für ungewöhnliche Kunstgenüsse. Vor zehn Jahren sahen fast 60.000 Zuschauer den von Hagel produzierten "Zirkus um Zauberflöte" in der Inszenierung von George Tabori im Zirkus Roncalli. Mit Mozarts erstem Werk "Apollo und Hyacinth" feierte Hagel 2006 im wiedereröffneten Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel einen grandiosen Erfolg. Auf einem Laufsteg inmitten der Kostbarkeiten in der italienischen Basilika des imposanten wilhelminischen Neobarock-Baus wurde getanzt und gesungen. Aus 18 geplanten Vorstellungen wurden wegen der großen Nachfrage 40.

Figuren werden der Gegenwart angepasst

Jetzt geht der Produzent und Dirigent in den Untergrund. "Pass auf, wer Dir in der U-Bahn gegenübersitzt - es könnte ein Prinz sein", antwortet Hagel schmunzelnd auf die Frage, warum er im U-Bahnhof inszeniert. "Um Berlin zum Klingen zu bringen, muss man ein bisschen nachhelfen", fügt er hinzu. Manche Figuren wurden der Gegenwart angepasst. So ist Papageno ein Punk und Pamina eine Germanistikstudentin. Prinz Tamino bleibt ein Prinz und spricht auch seine alte Märchensprache, was Punk und Studentin köstlich amüsiert. "Heutiges Personal trifft auf Märchenfiguren", sagt Hagel, will aber mehr noch nicht verraten.

Zunächst muss jedoch die Logistik für die Oper im Bahnhof bewältigt werden. Der Prinz flieht nämlich nicht wie in Mozarts Version vor einer Schlange, sondern vor einer kleinen U-Bahn. Diese werde gerade gebaut, sagt Hagel. Ein U-Bahn-Gleis wird mit einer Zuschauertribüne mit Schalensitzen überbaut, auf dem anderen und dem Bahnsteig spielt das Stück.

Über zwei Stunden Operngenuss

Über 600 Kunstbegeisterte können pro Vorstellung das ungewöhnliche Event gut zwei Stunden lang erleben. Extra für die Aufführungen wird geheizt. Ein eigens für die Oper entwickeltes Ton-Konzept soll für die richtige Akustik sorgen. Dabei soll der Fußboden dem Regisseur zufolge nicht mit Teppichen belegt, vielmehr sollen die Wände mit sternenverzierten Vorhängen "gedämpft" werden.

Insgesamt werden knapp 100 Personen an jeder Aufführung beteiligt sein. Neben 15 Sängern und 16 Choristen sind die Berliner Symphoniker und zahlreiche Techniker mit von der Opernpartie.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unterstützen das Projekt. "Eine tolle Sache", findet BVG-Sprecher Klaus Wazlak. "Wo, außer in Berlin, kann man schon auf einem U-Bahnhof eine Oper erleben."

Der U-Bahnhof zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus gehört zur so genannten Kanzler-Bahn, die derzeit zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor gebaut wird. Der Bahnhof der Linie U 55 soll Wazlak zufolge 2009 eröffnet werden.

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