Berlin : Operation Schlüsselloch

Ingeborg Schwenger-Holst managt ihre eigene Privatklinik. Jetzt ist sie Unternehmerin des Jahres

Ingo Bach

Er bringt zwar kein Geld ein, dafür aber Renommée: der Prix Veuve Clicquot. In Deutschland wird die in 14 Ländern vergebene Auszeichnung seit 1985 jährlich an eine erfolgreiche Unternehmerin verliehen. Vor wenigen Tagen ging er erstmals nach Berlin und erstmals an eine Firmenchefin im Gesundheitswesen: Ingeborg Schwenger-Holst, General Managerin und Mitbegründerin der Klinik für Minimalinvasive Chirurgie in Zehlendorf.

„Der Preis zeigt, dass es Berliner Firmen gibt, deren Leistungen auch überregional wahrgenommen werden“, sagt Schwenger-Holst. Die „Klinik für Minimalinvasive Chirurgie“ (MIC), ist deshalb einzigartig, weil es sich komplett nur auf „Schlüssellochchirurgie“ spezialisiert hat. Dabei führen Chirurgen durch winzige, kaum drei Zentimeter lange Schnitte Kameralinsen, kleine Lampen und langstielige Spezialwerkzeuge zwischen die Organe – und operieren. Die Mediziner sehen das, was sie im Körper des Patienten machen, nur an flachen Computerbildschirmen über dem OP-Tisch. Solche Eingriffe sind für den Patienten normalerweise schonender als die herkömmlichen Methoden. Statt der in Berlin durchschnittlich zehn Tage im Krankenhaus müssen die Genesenden nach einem minimalinvasiven Eingriff nur 1,7 Tage in der Klinik bleiben. Inzwischen ist die Methode an vielen Kliniken Standard.

1997 öffnete die MIC erstmals ihre 20 Betten – als Untermieterin beim evangelischen Hubertus-Krankenhaus. Teure Investitionen waren dafür nötig. Während der Besteckkasten für eine Normal-Operation zum Beispiel schon für 15000 Euro zu haben ist, kostet das Instrumentarium für den Eingriff durchs Schlüsselloch bis hin zum 25-fachen. Trotzdem schrieb die Privatklinik, die auch gesetzlich Versicherten offen steht, nach drei Jahren schwarze Zahlen – ohne öffentliche Förderung. Das Krankenhaus hat 65 Mitarbeiter und erzielt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 7,8 Millionen Euro. Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass Schwenger-Holst einen zweiten OP-Saal plant. Statt der jetzt 2300 Eingriffe pro Jahr wären dann 2900 möglich. Doch die Krankenkassen, mit denen auch die MIC ihr Budget aushandeln muss, spielten nicht mit – obwohl sie wegen der kürzeren Liegedauer Geld sparen könnten, sagt Schwenger-Holst. „Im Gesundheitswesen ist vieles überreguliert, es gibt keine Konkurrenz.“

Dabei wäre gerade die ein Weg zu mehr Effizienz. „Die Krankenkassen müssen den Kliniken einfach mehr unternehmerische Freiheit einräumen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar