Berlin : Opern-Träume: Kostümverkauf im Apollo-Saal der Staatsoper Unter den Linden

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Wenn man hinter Gudrun Croner und Elfi Gumprecht durch die Kostümabteilung der Staatsoper geht, dann hört man ab und zu ein leises Seufzen. Weit über tausend Kostüme hängen hier. Dreihundert davon stehen heute zwischen 15 und 20 Uhr im Apollo-Saal der Staatsoper Unter den Linden zum Verkauf. Mitsamt einiger Einzelteile wie Schläppchen, Schuhen, Taschen oder Hüten. So richtig trennen können sich die beiden Kostümdamen aber nicht von ihren Kleidern. "Es wurde nie etwas weggeworfen. Alles wurde aufgehoben oder für andere Inszenierungen umgeändert. Oder auch mal an ein anderes Theater verliehen." Aber nun wird der Platz eng, und es soll ein bisschen Geld in die Kassen kommen. Und für jeden ist etwas dabei. Ballettkostüme aus "Pilcinella", dem Ballett von Hans Werner Henze. Eher in den Größen 34 und 36. Die beinahe Love-Parade-tauglich sind. Aber auch richtige Roben in größeren Größen. Wie zum Beispiel das weiß-silberne Ballkleid aus "I Pagliacci". Evelin Unganz trug das Kleid in einer Sequenz, in der sie die Handlung wie im Traum nachtanzte. Aus diesem Grund gibt es dasselbe Kleid noch einmal in Bunt. Sozusagen aus der Wirklichkeit. Auch von den Kostümen des Tschaikowsky-Ballets Schwanensee wird sich die Oper trennen. Sollte sich ein passender Käufer finden. Die meisten Kleider sind allerdings in den Größen leicht zu variieren. Denn sie sind hinten zum Schnüren, damit die Schauspieler zwischen den Szenen schnell ihre Kostüme wechselt konnten. Das teuerste Kleidungsstück ist ein ganz aus Musseline gearbeitetes Kleid, aus dem Semele-Ballett. Das Oberteil besteht aus einem Miederatlas. Für 500 Mark kann Frau damit durch die lauwarmen Berliner Sommernächte tanzen. Wer in eine rote Robe, die mal die Gräfin Ceprano in der Verdi-Oper Rigoletto trug, die Nächte verbringen möchte, muss dagegen nur 399 Mark bezahlen. Der Standardpreis in der Staatsoper. Kopfbedeckungen gibt es für 20 bis 30 Mark und einige Ballettkostüme schon für 80 Mark. Aber auch für die Herren ist etwas dabei. Ballettfräcke oder Lederschuhe zum Beispiel. Aber Achtung: Ballettjungs sind in der Regel sehr schmale Jungs. Und hier kann nichts geschnürt werden.

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