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Berlin : Opfer des Scherzes fand das ganze nicht so lustig - der vermeintliche Beamte war ein Schauspieler

Tobias Arbinger

Der Spaß ging nach hinten los: Ein Paar, das Anfang November im Schöneberger Standesamtes sein Aufgebot bestellen wollte, wurde in den Amtsräumen Opfer einer Fernsehproduktion mit versteckter Kamera und kann darüber nicht lachen. Nach Angaben des 43-jährigen Verlobten sollte er in einer mit Schauspielern arrangierten Sequenz getäuscht und mit einer falschen Braut "verheiratet" werden.

Dazu habe sich ein Darsteller als evangelischer Pastor ausgegeben und ihm zudem vor laufender Kamera intime Fragen gestellt, sagte der Schöneberger, der nicht genannt werden will. Er habe Humor, sei darüber aber "tief empört". Unverständlich sei ihm, dass so etwas in einer Behörde möglich ist. Die Produktionsfirma Hampl und Hampl gab an, die Räume beim Bau- und Wohnungsamt für 450 Mark gemietet zu haben. Drei Paare seien in die Falle getappt. Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Ziemer (Bü 90/Grüne) sagte, sie habe von den Dreharbeiten nichts gewusst und hätte dafür nie ihre Einwilligung gegeben. Sie habe die beteiligten Mitarbeiter zu Stellungnahmen aufgefordert und wolle sich über Näheres noch nicht äußern.

"Es handelt sich um schwer wiegende Vorwürfe", sagte Ziemer. Wenn sie sich als wahr herausstellten, werde sie "Konsequenzen" ziehen. Der zuständige Bereichsleiter des Senders RTL sagte, der Sketch sei ihm von Hampl und Hampl für die Sendung "Life! Total verrückt" angeboten worden, werde aber nicht ausgestrahlt. Er respektiere die Wut. Diese Art von Szene sei aber "schon tausendfach gedreht worden. Dem Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Reinhard Stawinski, sagte, wenn sich der Fall tatsächlich so zugetragen habe, sei er skandalös.

Ihn störe dabei weniger, dass sich jemand als Pastor ausgegeben hat, als dass sich das Bezirksamt für so etwas hergebe. Nach Angaben des Schönebergers habe ihn ein vermeintlicher Standesbeamter allein in ein Zimmer gebeten. Dort sei er gefragt worden, wie er seine Zukünftige kennen gelernt habe und wie er es mit der Treue halte. Im Verlauf des Gesprächs, in dem sich der Mann als "evangelischer Pfarrer" bezeichnete und aus der Bibel zitiert habe, sei er stutzig geworden. Schließlich habe sich eine unbekannte junge Frau neben ihn gesetzt und der "Pfarrer" eine Trauungzeremonie eingeleitet. Nachdem er wütend aus dem Zimmer gestürmt sei, habe der "Pfarrer" eingeräumt, ein Schauspieler zu sein. Der echte Amtsmann habe gesagt, alles sei rechtens, zwischen Fernsehfirma und Bezirksamt gebe es einen Nutzungsvertrag über das Trauzimmer. Das gehe "entschieden zu weit", sagte das Fernsehopfer.

Elisabeth Ziemer sagte, es sei eigentlich selbstverständlich, dass eine Verwaltung auf so eine Anfrage nicht eingehen dürfe. Im Rathaus würden häufig Räume für Dreharbeiten vermietet, in der Regel jedoch für Spielfilme. Es sei jedoch etwas anderes, "unsere Räume zur Verfügung zu stellen, um die Bevölkerung hereinzulegen".

Der Sprecher der Innenverwaltung, Norbert Schmidt, vertrat die Auffassung, dass die Vermietung an das Fernsehteam in diesem Fall nicht rechtens war. Nach seinen Angaben regelt eine Allgemeine Anweisung von 1997 gewerbliche Tätigkeiten in Amtsräumen. Danach müssen bestimmte Grundsätze eingehalten, etwa Persönlichkeitsrechte geachtet und eine "Zumutbarkeitsgrenze" gewahrt werden.

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