Opfer des U-Bahn-Treters sagt aus : „Der Alltag war erst einmal weg“

Die brutale Tritt-Attacke in der Berliner U-Bahn hatte für Entsetzen gesorgt. Nun sagte die Geschädigte im Prozess aus.

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Der Angeklagte Swetoslaw S. soll eine Passantin die Treppe einer U-Bahnstation hinuntergetreten haben.
Der Angeklagte Swetoslaw S. soll eine Passantin die Treppe einer U-Bahnstation hinuntergetreten haben.Foto: Paul Zinken/dpa

Im Prozess um die brutale Fußtritt-Attacke auf einer U-Bahn-Treppe hat die 26-jährige Geschädigte am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht ausgesagt.

Die Bilder der Fußtritt-Attacke auf einer U-Bahn-Treppe hatten bundesweit für Entsetzen und Empörung geführt. Still aber blieb es um die Geschädigte. Die 26-Jährige hatte sich zurückgezogen. „Der Alltag war erst einmal weg“, sagte die Studentin nun vor dem Landgericht.

Acht Monate nach dem Angriff im Bahnhof Hermannstraße saß sie erstmals dem Täter gegenüber. Sie hatte ihn damals nicht sehen können. Er griff von hinten an. „Ich bin mit voller Wucht gestürzt.“  

Die Frau wollte auch am Rande des Prozesses nicht vor die Kameras treten. Durch einen Seiteneingang wurde sie in den Saal 700 geführt. Einen kurzen Blick warf sie dem Angeklagten zu. Der 28-jährige Svetoslav S., der hinter Panzerglas saß und zu Boden starrte, hatte die Attacke zugegeben. Ja, er sei der Mann vom Video, das die Polizei einige Wochen nach der Tat veröffentlicht hatte. Doch er könnte sich nicht an die Tat erinnern, er habe damals massenhaft Alkohol und Drogen konsumiert, erklärte der Bulgare.

Ein Angriff völlig aus dem Nichts. Es ist kurz nach Mitternacht, als am 27. Oktober mehrere junge Männer die Mittelebene des Bahnhofs betreten. Locker scheint die Stimmung. Auf den Videos ist eine Passantin zu sehen. Sie hat nichts mit der Gruppe zu tun, geht die ersten Stufen zum Bahnsteig hinab. Plötzlich folgt ihr der Angeklagte mit einer Bierflasche in der Hand. Er hebt den Fuß, tritt mit Wucht zu. Sie stürzt die Treppen hinab. Mit dem Gesicht voran, die Arme ausgestreckt.

Gebrochener Arm und Platzwunde am Kopf

Die Studentin hatte weder den Angeklagten noch seine Begleiter bemerkt. „Ich war auf dem Heimweg, hatte die Kapuze aufgezogen und hörte Musik.“ Eine S-Bahn hatte sie gerade verpasst. „Ich wollte runter zur U-Bahn und mich aufwärmen.“ Plötzlich der Sturz. "Ich konnte zuerst nicht ergründen, warum ich gestürzt bin." Jemand sei gekommen und habe gesagt, dass sie geschubst worden sei. Während sich der Angreifer umdrehte und ging, halfen andere Fahrgäste der Verletzten.

Ein Arm war gebrochen, eine Platzwunde am Kopf und Hämatome. Drei Stunden wurde sie ambulant im Krankenhaus behandelt. Die seelischen Folgen führten zunächst zu einem Rückzug. Einige Zeit habe sie jeden Kontakt zur Außenwelt gemieden, so die Zeugin. Sie sei danach möglichst nicht allein unterwegs gewesen, habe sich auf Treppen festgehalten, sei vier Monate neben der Spur gewesen.

Mit weinerlicher Stimme bat der Angeklagte um Entschuldigung: „Es tut mir sehr leid, dass ich dir Schmerzen zugefügt habe.“ Die Anwältin der Studentin sagte, annehmen könnte sie die Entschuldigung noch nicht. S. müsse erst bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. 

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