Opfer Marcel R. : Die Angst ist geblieben

21.12.2011 14:03 UhrVon Kerstin Gehrke

Das Opfer des brutalen Angriffs im U-Bahnhof Lichtenberg sagte vor Gericht aus.

Der Mann, den U-Bahn-Schläger ins Koma geprügelt haben, kann wieder laufen und sprechen. Die Angst aber ist geblieben. Sie war ihm ins Gesicht geschrieben, als er zehn Monate nach dem brutalen Angriff am Donnerstag als Zeuge in den Gerichtssaal ging. Eine Stunde dauerte seine Aussage. Der 30-jährige Maler habe aber nur bruchstückhafte Erinnerungen, hieß es am Rande des Prozesses.

Hinter verschlossenen Türen wird seit einer Woche gegen die vier Männer verhandelt. „Hass auf Deutsche“ und „Spaß an Gewalt gegen Schwächere“ soll sie getrieben haben, als sie am 11. Februar auf dem U-Bahnhof Lichtenberg Marcel R. und dessen Arbeitskollegen angriffen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Migranten im Alter von 15 bis 18 Jahren zweifachen versuchten Mord vor. Bei der Polizei hatten die Schüler ausgesagt. Damals gaben sie Schläge und Tritte zu, bestritten aber einen Tötungsvorsatz. Vor Gericht verweigerten sie die Aussage.

Marcel R. konnte nicht schildern, wie sie ihn in einem regelrechten Gewaltrausch gnadenlos prügelten und traten. Er überlebte nur mit Glück. Vier Wochen lag er im Koma. Wegen der schweren Hirnverletzungen könne er nicht unterscheiden, was er in der Tatnacht wirklich erlebt und was er später erfahren hat, sagte ein Prozessbeteiligter. Vor R. soll sein 30-jähriger Kollege ausgesagt haben, dass es zwischen ihnen und dem Quartett zunächst einen kurzen Wortwechsel gab. Der Angriff danach sei plötzlich gewesen.

Die vier Angeklagten hätten „relativ neutral“ zugehört, hieß es. Von Reue aber sei zumindest äußerlich nicht viel zu erkennen gewesen. Nur einer von ihnen soll zu Beginn der Verhandlung mit einem knappen Satz erklärt haben, dass es ihm leidtut. Marcel R. wurde gefragt, was er von dem Prozess erwartet. Er überlegte kurz: „Was Vernünftiges.“ Sichtlich angestrengt verließ er das Gericht. Freunde begleiteten ihn. Ein normales Leben kann er noch lange nicht führen. Kerstin Gehrke

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