• Opposition zeigt Videos der Handgreiflichkeiten: Jüdische Gemeinde zankt weiter - aber getrennt

Opposition zeigt Videos der Handgreiflichkeiten : Jüdische Gemeinde zankt weiter - aber getrennt

Am Donnerstagabend tagte die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Gegner des Vorsitzenden Gideon Joffe boykottierten die Sitzung - und luden vorher zu einer eigenen Veranstaltung.

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Symbol wieder gewonnener Pracht. Leider ist die Jüdische Gemeinde mit ihrer Synagoge in Mitte, in schwere finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Senat hatte seine Zuschüsse eingefroren.
Symbol wieder gewonnener Pracht. Leider ist die Jüdische Gemeinde mit ihrer Synagoge in Mitte, in schwere finanzielle...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Eine Gemeinde im Schockzustand“ ist die Präsentation an der Leinwand der „Neuen Lupe“ am Ku’damm betitelt. Die sieben Mitglieder der Opposition im Parlament der Jüdischen Gemeinde boykottieren die Repräsentantenversammlung, informieren stattdessen Öffentlichkeit am Donnerstagabend über ihre Gründe. Das kleine Kino ist voll besetzt. Sergey Lagodinski ruft dazu auf, „unser jüdisches Zuhause aus den Negativschlagzeilen herauszuholen“. Er zeigt Videos von Tumulten bei der letzten Sitzung. Der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe hatte behauptet, die Gegner seiner Fraktion Koach hätten die Handgreiflichkeiten provoziert. Die Bilder dagegen erwecken den bedrückenden Eindruck, der Vorsitzende versuche, sich durch den Einsatz von Schlägern zu behaupten.

Zwei ehemalige Koach-Leute ergreifen das Wort. Sie schäme sich für ihre Gemeinde, sagt Carola Melchert-Alt. In Berlin, ja aus aller Welt werde man auf die skandalösen Vorgänge angesprochen. Scharf wird Jewgenij Gamal, Ex-Kulturreferent. Der Vorstand agiere wie eine kriminelle Vereinigung, rechne ab mit seinen „Feinden“ und deren Familien. Und Tuvia Schlesinger wirft Joffe vor, bei seinen Geldforderungen gegenüber dem Senat die Fakten zu verdrehen. Angesichts mangelhafter Finanzpläne sei die Landesregierung sogar zu Sanktionen und Zahlungsstopp verpflichtet. Die Gemeinde stehe einen „halben Schritt vor dem Abgrund“.

Micha Guttmann, Sprecher der Gruppe, beschwört alle, die Gemeinde nicht zu verlassen. Mit der Initiative „Neuwahl 2013“ biete sich die letzte Chance „eines demokratischen Wandels“. Für die Neuwahl-Petition habe man 1500 Stimmen beieinander, 250 mehr seien noch zu gewinnen. Es gehe keineswegs um einen Kulturkampf, Russen gegen Deutsche, nein, Russisch spreche man auch – was Lagodinski mit ein paar Sätzen beweist. Pessimistischer klingen Stimmen aus dem Publikum. Er habe wenig Hoffnung auf die Petition, sagt Benno Bleiberg. Die Mitgliederkartei der Gemeinde befinde sich inzwischen unter Verschluss, der Manipulation sei Tür und Tor geöffnet. Micha Brumlik plädierte dafür, einen Promi-Juristen zu gewinnen, um eine spektakuläre Debatte über deren interne Rechtsfreiheit auszulösen.

Soviel Hoffnung, Scham und Resignation wie in der „Neuen Lupe“ ist am selben Abend im Gemeindehaus an der Fasanenstraße nicht zu verspüren. Zwei Dutzend Zuhörer haben sich zur Repräsentantenversammlung eingefunden. Als Dezernentin für Schule und Bildung wird Natalia Apt in den Vorstand gewählt. Der Vorsitzende kommentiert den Untersuchungsausschuss Immobilien und „dubiose“ Vertragsabschlüsse seiner Vorgänger. Der Schiedsausschuss, dessen Wahl ansteht, bleibt ungewählt: Das nötige Quorum von 14 Stimmen kommt nicht zusammen. Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde beim RBB wird ein Ersatzmann für den Repräsentanten Schlesinger bestimmt, dessen Mandat aus der vorigen Legislaturperiode stammt. Mit elf Stimmen, eine Enthaltung, entsendet die Schrumpfversammlung Gideon Joffe in den Rundfunkrat.

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