Ordnungsamt : Gefährliche Knöllchen

Mitarbeiter der Berliner Ordnungsämter müssen sich verstärkt in acht nehmen: Die Kontrolleure werden immer häufiger attackiert. Pfefferspray könnte sie vor Übergriffen schützen.

Christian van Lessen

Berlins Parkzonen-Kontrolleure werden bei ihrer Arbeit zunehmend beleidigt – und immer häufiger auch tätlich angegriffen. Nachdem sich in den vergangenen Monaten die Zahl der Fälle gehäuft hat, bei denen Autofahrer zugeschlagen oder sogar mit Messern gedroht haben, gehört für viele Mitarbeiter der Ordnungsämter die Angst zum täglichen Begleiter. Ein Beschäftigter des Ordnungsamtes in Mitte musste gerade erst wegen eines Schlägerangriffs krankgeschrieben werden.

„Es ist schon heftig“, sagt Wirtschaftsstadtrat und Vizebezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU), zuständig fürs Ordnungsamt. Man müsse die Übergriffe auf Mitarbeiter „ ernst nehmen“, das Personal fühle sich oft hilflos. Deshalb sollten die Mitarbeiter mit Pfefferspray ausgestattet werden, wie die Kiezstreifen, die nicht den parkenden Verkehr überwachen.

Ein Wunsch, der sich mit der Forderung der Gewerkschaft der Polizei deckt, aber bislang in der zuständigen Senatsinnenverwaltung nicht auf offene Ohren gestoßen ist. Darüber, heißt es, habe es noch keine Besprechungen gegeben, ein erweiterter Sprayeinsatz sei bislang nicht geplant, „aber er ist ein Thema“, sagt Nicola Rothermel, Sprecherin der Verwaltung.

Auch aus anderen Bezirksämtern wird der Ruf nach mehr Sicherheit für die Parkraum-Überwacher lauter. Die Mehrheit der Ämter verspricht sich allerdings mehr von „Deeskalationsstrategien“ als von mehr Pfeffersprayeinsatz.

Marzahn-Hellersdorf gehört nicht dazu: Hier wachen die 30 Ordnungsamtsmitarbeiter von 6 bis 22 Uhr nicht nur über Verstöße von Hundehaltern und Radfahrern, sondern auch über die Beachtung von Park- und Halteverboten – bisher ohne Spray. Gerade das Kontrollieren von stehenden Fahrzeugen (eine Parkraum-Bewirtschaftung gibt es in diesem Bezirk nicht) werde immer gefährlicher, wie der fürs Ordnungsamt zuständige Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU) bestätigt. Es sei zwar nicht so, dass Mitarbeiter täglich angegriffen würden, aber die Beschäftigten stießen zunehmend auf aggressive Reaktionen. Man müsste den Kontrolleuren, die bis in die späten Abendstunden tätig seien, „ein kleines Gefühl von Sicherheit“ geben.

Deshalb begrüße der Bezirk auch die Initiative der Gewerkschaft der Polizei. Gräff wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die Ordnungsämter auch in anderen Bereichen auf mehr Aggressivität im Zusammenleben stoßen. So häuften sich beim Ordnungsamt die Anzeigen zwischen Nachbarn, die sich beispielsweise über zu laute Musik in den Wohnungen beschwerten. Anstatt miteinander zu reden und Streitfälle friedlich zu lösen, werde gleich das Ordnungsamt eingeschaltet. Christian van Lessen

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