Berlin : Organisierte Kriminalität: Hooligan-Bande lagerte Handgranaten

Cay Dobberke

Der Polizei und der Staatsanwaltschaft ist erneut ein Schlag gegen die kriminelle Türsteher- und Hooliganszene gelungen. Vier Männer, die Banken mit gefälschten Ausweisen um mehrere Millionen Mark schädigen wollten, wurden festgenommen. Darüber hinaus fanden Beamte in einer Wohnung ein umfangreiches Waffenarsenal. Die Verdächtigen sind 31, 32, 35 und 37 Jahre alt. Sie stammen aus Berlin und Sachsen-Anhalt. Gegen zwei von ihnen wurde bereits am Freitag Haftbefehl erlassen, wie die Polizei erst gestern mitteilte. Die anderen beiden Festgenommenen erhielten Haftverschonung.

Am Donnerstag war ein Treffen der Männer beobachtet worden. Der 32-Jährige ging in Filialen eines Geldinstituts an der Bleibtreu- und Mommsenstraße in Charlottenburg, wo er zwei fünfstellige Geldbeträge mit einem komplett gefälschten Personalausweis abhob. Bei einem der Bankbesuche waren zwei der Komplizen dabei, beim anderen der vierte Verdächtige. Bei anschließenden Wohnungsdurchsuchungen entdeckte die Polizei größere Geldsummen, gefälschte Papiere und andere Indizien für kriminelle Machenschaften. Das Geld und zwei Autos wurden als "möglicher Taterlös beziehungsweise Tatmittel" eingezogen.

Die schwerwiegendsten Funde machten Beamte in der Wohnung des 37-Jährigen. Dort lagerten sogar Kriegswaffen wie eine Panzerhandgranate mit hoher Durchschlagskraft, sechs Handgranaten und drei Handgranatenzünder. Außerdem wurden zwei Handfeuerwaffen sowie ein Schalldämpfer, 296 Patronen verschiedener Kaliber und weiteres Zubehör beschlagnahmt. Zur Herkunft der Waffen konnte Justizsprecher Sascha Daue noch keine Auskünfte geben.

In der Wohnung lagerten auch Utensilien, wie sie typischerweise von Rauschgifthändlern benutzt werden. Drogen fanden die Ermittler allerdings nicht. Die Räume dienten außerdem als Fälscherwerkstatt. Entdeckt wurden zum Beispiel Blanko-Personalausweise. Diese stammen aus Einbrüchen in brandenburgische Ordnungsämter. Die Papiere wurden von den vier Verdächtigen so gefälscht, dass sie die Namen von Kontoinhabern trugen, die hohe Beträge bei Banken angelegt hatten. Woher die Beschuldigten von den Konten wussten, war gestern ebenfalls nicht zu erfahren. Wahrscheinlich lösten Anzeigen von Geschädigten die Ermittlungen aus, die sich über Monate hinzogen.

Die mutmaßlichen Täter sollen als Türsteher von Clubs und Diskotheken gearbeitet haben und bei Fußballspielen als gewalttätige Hooligans aufgetreten sein. Aus diesem Milieu heraus wurden schon wiederholt organisierte Straftaten verübt. Im Frühjahr 2000 begann in Berlin ein Prozess gegen sieben Männer und eine Frau, die einige Kilo Kokain aus Venezuela eingeschmuggelt haben sollen und zudem des Kreditbetrugs in Millionenhöhe angeklagt wurden. Das Landeskriminalamt ermittelt seit 1997 in der Szene, es gab zahlreiche Festnahmen. Mehrmals schon wurden Drogen- und Waffenlager entdeckt. "Ob die jetzt Festgenommenen andere Täter kennen, wird noch ermittelt", sagte Justizsprecher Daue.

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