Berlin : Organspender gesucht Tausende warten auf ein neues Herz oder eine Lunge

Ingo Bach

Als Organspender sind die Bewohner Berlins, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns Spitze. In der Region Nordost, zu der die drei Bundesländer gehören, konnten Transplantationsmediziner im vergangenen Jahr 142 Verstorbenen insgesamt 456 Organe entnehmen – das sind statistisch gesehen 18 Spender auf eine Million Einwohner. Der Bundesdurchschnitt liegt bei knapp 14. Doch das reicht noch lange nicht. Bundesweit warten 12 000 schwer Kranke auf ein neues Herz, eine neue Niere oder eine Leber – und das bis zu fünf Jahre. Allein im Deutschen Herzzentrum in Wedding stehen derzeit 170 Menschen auf der Warteliste für ein neues Herz oder eine neue Lunge. „Viele der Patienten erleben es nicht mehr, wenn endlich ein Spenderorgan für sie zur Verfügung steht“, sagte Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des Herzzentrums, gestern auf einer Pressekonferenz anlässlich des Tages der Organspende am Sonnabend.

Und nur drei Prozent der Menschen in der Region haben einen Spenderausweis, sagt Hetzer. Einer der Gründe für die Weigerung ist die Furcht, dass Ärzte einen Organspender in der Klinik zu schnell für tot erklären könnten, um an die begehrten Organe zu gelangen. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung hätten die Klinikärzte aber gar keinen Zeitdruck, um über eine Organspende zu entscheiden, sagt Hetzer: „Wenn nach dem Hirntod der Kreislauf weiter funktioniert, kann man sich bis zu 48 Stunden Zeit lassen, um den Verstorbenen sehr genau zu untersuchen und mit den Angehörigen in Ruhe zu reden.“

Infotelefon: 0800 9040 400. Organspendeausweise gibt es auch bei Krankenkassen

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