Berlin : Orientalische Absichten

In Mitte soll ein arabisches Kulturzentrum entstehen – mit 12 000 Bänden von der Frankfurter Buchmesse

Marc Neller

Mit politischer Diplomatie alleine, sagt der Botschafter der Arabischen Liga in Deutschland, komme man längst nicht mehr weiter. „So erreichen wir die Menschen hier nicht. Das wäre angesichts des momentanen Verhältnisses zwischen der westlichen und der arabischen Welt aber dringend nötig.“ Salem Quateen plant daher, in Berlin ein Arabisches Kulturzentrum einzurichten. „Wir müssen das gegenseitige kulturelle Verständnis endlich fördern.“

Quateen ist der Botschafter der Arabischen Liga, eines Verbandes von 22 arabischen Staaten. Ihm schwebt ein Angebot mit Konzerten, Lesungen, regelmäßigen Diskussionsrunden und Kunstausstellungen vor. Mittelpunkt des Zentrums soll eine Bibliothek werden, die derzeit in einer Frankfurter Lagerhalle untergebracht ist: 12000 Bücher – religiösen, wissenschaftlichen, literarischen Inhalts –, mit denen sich die Arabischen Staaten als Gastland auf der vergangenen Frankfurter Buchmesse vorgestellt hatten.

Über die inhaltliche Ausrichtung des Zentrums sagt Quateen: „Es soll sich an den deutschen Goethe-Instituten im Ausland orientieren. Wir wollen eine Atmosphäre, in der es nicht verboten ist, frei und über bisher bestehende Barrikaden hinaus zu denken.“ Für die Konzeption und Leitung wolle er Intellektuelle gewinnen, deutsche und arabische.

Wie konkret die Pläne zum jetzigen Zeitpunkt tatsächlich sind, ist schwer zu sagen. Immerhin gab Imr Muossa, der Generalsekretär der Arabischen Liga, das Vorhaben auf einer Konferenz vor wenigen Tagen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder offiziell bekannt. Und Botschafter Quateen sagt: „Ich habe mir am Wochenende eine Immobilie mit fünf Stockwerken in der Leipziger Straße angesehen, die bestens für unsere Zwecke geeignet wäre.“ Für drei Millionen Euro sei das Haus zu haben. „Um das Zentrum zu eröffnen, bräuchten wir insgesamt etwa fünf Millionen Euro.“

Woher das Geld kommen soll, ist bislang jedoch unklar und auch, wer die laufenden Kosten trägt. Spenden, Stiftung, Kredite – der Botschafter spricht von „mehreren Optionen. Ich bin optimistisch, dass wir im ersten Quartal des kommenden Jahres öffnen können.“ Er wolle aus den Schwierigkeiten lernen, die das Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris erfahren habe. 1987 wurde dieses mit der Bestimmung eröffnet, westlichen Besuchern die arabische Kultur näher zu bringen. Es wird über ein Stiftungsmodell finanziert, das Frankreich und die 22 Länder der Arabischen Liga gemeinsam tragen. Doch die Zahlungsmoral einiger Geldgeber lässt zu wünschen übrig: Laut Medienberichten soll das Institut jährlich nur zwischen 20 und 60 Prozent der vereinbarten Subventionen erhalten.

Im Auswärtigen Amt äußert man sich zurückhaltend zu Quateens Plänen. „Aus unserer Sicht gibt es noch Diskussionsbedarf auf Seiten der Partner-Staaten“, sagt ein Sprecher. Aber: „Die Idee, ein solches Zentrum einzurichten, befürworten wir ausdrücklich.“

Gut zwei Jahre hat Salem Quateen Zeit, seinen Plan zu verwirklichen. So lange wird er noch als Botschafter der Arabischen Liga in Berlin sein „Wenn ich gehe, will ich, dass es dieses Zentrum längst gibt. Es ist zu wichtig.“

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