Berlin : Original von der Spree

Sie spricht Dialekt und lacht laut: Barbara Schöne, die Vielseitige, ist immer auch Berlinerin

Judith Jenner

Gerade hat Barbara Schöne wieder einen Rat ihres Vaters befolgt: Trau’ dich was, hat der gesagt. Also lässt sie sich mit 58 Jahren spontane Regieanweisungen ins Ohr flüstern, aus denen sie schnell etwas machen muss – vor laufender Kamera. Die Sendung heißt „Schillerstraße“ und läuft bei Sat1. Barbara Schöne spielt in der „Improvisationscomedy“ die flippige Mutter von Cordula Stratmann – und wird seitdem von jungen Leuten auf der Straße erkannt.

Den älteren Fernsehguckern wurde die gebürtige Berlinerin mit der unverwechselbar rauen Stimme an der Seite von Harald Juhnke bekannt. Als die blonde Freche mit der großen Klappe und der lauten Lache. Harald Juhnke ist inzwischen tot, Günter Pfitzmann und Brigitte Mira sind es auch, und es scheint, als sei Barbara Schöne eine der letzten, die mit Berliner Schnauze Erfolge feiert. Aber darauf will sie sich nicht festlegen. Sie kann auch anders, das hat sie oft genug bewiesen. Gerade plant sie eine Lesetour mit Gedichten von Silke Gehrke. Sie wolle die Leute in der „überstrapazierten Spaßgesellschaft“ zum Nachdenken anregen, sagt sie. Ihrem Vater, das war der Regisseur Werner Schöne, hätte das wahrscheinlich gefallen. „Der sagte immer: Entwickle dein eigenes Profil, dann wirst du unersetzlich.“ Also will sie die Zuschauer nicht nur zum Lachen bringen.

Übermorgen ist sie als liebenswerte Glucke zu sehen in der Komödie „Tote Hose“ (Pro7, 20.15 Uhr). Einen Tag später geht sie mit dem Stück „Bitte nicht stören“ auf Tournee, in dem sie spät entdeckt, dass ihr Sohn schwul ist. Das wäre ihr im echten Leben nicht passiert. „Ich bin eine sehr aufmerksame Mutter“, sagt Barbara Schöne. Mit ihrem 21-jährigen Sohn lebt sie in einem Haus am West-Berliner Stadtrand. Als Barbara Schöne mit 37 Jahren das Kind bekam, pausierte sie sechs Jahre mit der Schauspielerei. Da hatte sie Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Buckel. Schon mit 15 Jahren lernte sie Körperkontrolle, Disziplin und die richtige Intonation am Max-Reinhardt-Seminar. Wie riet der Vater: „Sei immer etwas kritischer mit dir selbst, als es andere sind.“ Nach der staatlichen Schauspielschule bekam sie Engagements für Shakespeare-Stücke, spielte mit Heinz Rühmann, Georg Thomalla und Inge Meysel. Curth Flatow schrieb ihr eine Rolle in „Der Mann, der sich nicht traute“ auf den Leib. 1000-mal wurde das Stück aufgeführt.

Mit Harald Juhnke, an dessen Seite sie die Eurovision-Sendung „Musik ist Trumpf“ Anfang der 80er Jahre moderierte, verband sie eine kollegiale Freundschaft. „Er war ständig auf der Suche nach sich selbst. Das hat ihn vielleicht als Schauspieler so genial gemacht.“ In Barbara Schönes Leben wechseln sich Theater- und Fernseharrangements ständig ab. Keines von beidem möchte sie missen. „Ich erkenne schon am Murmeln hinter dem Vorhang, ob heute die Denker oder die Temperamentvollen im Publikum sitzen.“ Die Berlinerin ist ihrer Stadt treu geblieben. „Berlin war immer ein Pulverfass. Nirgendwo ist die Kritik gnadenloser“, sagt sie und man hört ihr an, dass sie sich daran auch erfreut.

Die anstehende Tournee wird sie wieder mit ihrem Privatwagen machen. „Ich liebe schnelle Autos“, sagt Barbara Schöne. Gleich ihr zweites Auto als junge Frau sei ein Porsche gewesen. Und um dem auch gerecht zu werden, beherzigte sie auch damals einen der guten Ratschläge ihres Vaters: „Damit keiner blöde Sprüche machen konnte, habe ich auf dem Parkplatz rückwärts einparken geübt.“

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