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Orkan über Deutschland : Berlin ist bei Sturmtief "Christian" glimpflich davon gekommen

Der erste Herbststurm des Jahres ist über die Hauptstadt hinweggefegt. Anders als im Norden gab es nur leichte Schäden - die Feuerwehr musste 82 Mal ausrücken. Der Verkehr läuft mittlerweile wieder rund.

Nina Paulsen
Die Siegessäule spiegelt sich in einer Pfütze mit Herbstlaub
Die Siegessäule spiegelt sich in einer Pfütze mit Herbstlaub - große Schäden gab es in der Hauptstadt nichtFoto: dpa

Während er in Nordwest-Europa für immense Schäden und sogar Tote sorgte, hat Orkan "Christian" in Berlin nur wenige Spuren hinterlassen. "Berlin ist glimpflich davon gekommen", sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr dem Tagesspiegel. Zwischen 16 und 20 Uhr habe es am Montag 82 wetterbedingte Einsätze gegeben. Etwa lose Bauteile oder herumfliegende Äste hätten dabei die meisten Probleme gemacht.

Am Kurfürstendamm drohte eine Lichterkette hinabzustürzen und sorgte für Verkehrsbeeinträchtigungen. Am S-Bahnhof Wollankstraße in Pankow wäre fast ein Baum auf die Brücke gefallen und musste abgestützt werden. "Das ist für uns aber nichts Besonderes", so der Sprecher. Für Dienstag rechnet die Feuerwehr mit keinen wetterbedingten Einsätzen mehr. Tote und Verletzte hat es in der Hauptstadt nicht gegeben.

Am Flughafen Tegel konnten am Montag vier Maschinen Richtung Norden nicht abheben, zuletzt musste abends eine Air Berlin nach Kopenhagen am Boden bleiben. "Am Zielort war es zu windig", so Flughafensprecher Lars Wagner. Eine Maschine aus Riga, die eigentlich in Hamburg hätte landen solle, wurde nach Berlin umgeleitet. Die Passiere musste dann, sofern möglich, mit Bus und Bahn weiterreisen. Auf dem Rollfeld in Tegel wurde laut Wagner eine Windgeschwindigkeit von rund 30 Knoten gemessen, "in Schönefeld war es noch entspannter". Ab 40 Knoten, was rund 70 Stundenkilometer entspricht, kann die Abfertigung der Passiere zeitweise eingestellt werden.

Herbststürme über Deutschland
Die orkanartigen Windböen legten große Teile des Zugverkehrs in Norddeutschland lahm. Starke Windböen rissen an zahlreichen Stellen Bäume um oder schleuderten Äste auf Oberleitungen und Gleise. Nördlich der Linie Dortmund-Hannover-Berlin fuhren am frühen Abend kaum noch Züge, wie ein Bahnsprecher in Berlin sagte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: dpa
28.10.2013 21:08Die orkanartigen Windböen legten große Teile des Zugverkehrs in Norddeutschland lahm. Starke Windböen rissen an zahlreichen...

Probleme gab es auch auf der Schiene: "Besonders nördlich der Linie Dortmund-Hannover-Berlin kam es im Verlauf des Montags zu Zugausfällen", teilte die Bahn mit. Bei Windböen mit Orkanstärke seien zahlreiche Äste und Bäume auf Oberleitungen und Gleise gestürzt. Auf den Strecken Berlin-Hamburg, Berlin-Hannover und dem Regionalverkehr in Mecklenburg-Vorpommern kam es zu Einschränkungen.

Schlimmer sind die Folgen von "Christian" weiter in Norddeutschland. Bahnfahrer müssen hier auch am Dienstag mit Verspätungen rechnen. Im Fernverkehr bleibt die Strecke zwischen Hamburg und Kiel vorerst gesperrt. Daneben soll die Strecke der Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Niebüll bis zum Mittag nicht befahrbar sein, wie die Bahn mitteilte.

Auch heute noch starke Böen

Das Orkantief hatte seit Sonntag mindestens 14 Todesopfer in Deutschland gefordert. Bäume knickten um, Züge standen still und der Flugverkehr war gestört. Mancherorts fegten die Sturmböen mit mehr als 170 Kilometern pro Stunde über das Land. „Uns war es schon klar, dass es so heftig wird, denn die Modelle haben dies seit drei, vier Tagen so angedeutet“, sagte Diplom-Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

„Wir haben Dienstag zunächst noch einen recht windigen Tag.“ An den Küsten könnte es durchaus noch stürmische Böen oder Sturmböen geben, zum Landesinneren hin seien noch Siebener-Böen möglich. Das bedeutet eine Windgeschwindigkeit von 50 bis 61 Stundenkilometer. Je südlicher die Region, umso schwächer werde der Wind, erklärte Kirchhübel. In Bayern und Baden-Württemberg seien nur noch die exponierten Lagen der Mittelgebirge betroffen. (mit AFP)

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