Ostalgie in Brandenburg : Potsdamer Trabivermietung droht das Aus

Der Trabant, eine echte Marke der DDR: gern belächelt, oft geliebt. Seit Jahren vermietet Frank Ehle die Autos bei Potsdam – jetzt droht das Aus.

Julia Frese
Die letzte Saison der Trabantvermietung wird in diesem Oktober zu Ende gehen, danach schließt Frank Ehle sein Kleinunternehmen.
Die letzte Saison der Trabantvermietung wird in diesem Oktober zu Ende gehen, danach schließt Frank Ehle sein Kleinunternehmen.Foto: Andreas Klaer

Servolenkung, Klimaanlage, Sitzheizung – nichts davon hat der Trabi nötig. „Das ist einfach pures Autofahren, ohne jeden Schnickschnack“, sagt Frank Ehle, Inhaber der Trabantvermietung Potsdam. Auf einem Lagerhallengelände in Neuseddin stehen seine drei Schmuckstücke nebeneinander. Der hellblaue sei der erste gewesen, sagt Ehle, und klingt ein bisschen wehmütig.

Die letzte Saison der Trabantvermietung wird in diesem Oktober zu Ende gehen, danach schließt Ehle sein Kleinunternehmen. Die Zahl der Aufträge seit der Eröffnung 2009 sei unter den Erwartungen geblieben, sagt der 34-Jährige. Und, ein vielleicht noch wichtigerer Grund: Da seine Frau und er sich bald Kinder wünschen, möchte er nicht mehr ständig am Wochenende arbeiten müssen. Seinen bisherigen Teilzeitjob als Kurier wird Ehle ab Oktober darum in Vollzeit ausüben.

Seine drei Schätze jedoch wird der Trabi-Fan vermissen. Das Interesse am DDR-Kultauto ist bei ihm in persönlichen Erinnerungen begründet. „Meine Eltern sind Trabi gefahren, einen runden P50 mit total ausgeblichenem Lack“, erinnert er sich. „Der sah im Grunde mehr aus wie eine Schüssel als wie ein Auto.“ Weite Fahrten hätten die Eltern mit dem Gefährt nicht unternommen. „Aber ich weiß noch, dass wir ein paar schöne Urlaube hier in der Brandenburger Umgebung gemacht haben.“

Während der Lehre zur Fachkraft für Lagerlogistik habe er gemerkt, dass weder die Branche noch das Angestelltendasein das Richtige für ihn seien, sagt Ehle. Schließlich inspirierten ihn die Kindheitserinnerungen dazu, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Anfangs betrieb er es von seinem Zuhause in Potsdam aus. Als es dort zu klein wurde, zog Ehle nach Babelsberg. Als der Vermieter Eigenbedarf anmeldete, musste Ehle mit seinen Trabis umziehen. Nach einer Station in Werder zog es Ehle nach Neuseddin.

Zwei Stunden Ostalgie für 50 Euro

Für Ungeübte gibt Ehle auf dem weitläufigen Gelände gern erst mal eine kleine Einweisung in das Trabifahren. Das kann sich für manchen Kunden anfühlen wie eine Rückkehr in die erste Fahrstunde. Nicht nur der ohrenbetäubende Lärm und der durchdringende Benzingeruch nach dem Drehen des Zündschlüssels sind gewöhnungsbedürftig, auch in die Gangschaltung neben dem Lenkrad müssen sich Neulinge erst einfinden. Zur Erinnerung liegt in jedem von Ehles Trabis eine grafische Anleitung parat, die erklärt, in welche Richtung der Hebel gezogen und gedrückt werden muss, um hochzuschalten oder rückwärts zu fahren.

Go, Trabi, go!
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1 von 15Foto: AFP
29.07.2009 08:30Wer seinen Trabi liebt, der schiebt. Dieses Motto gilt am 50. Geburtstag des Trabi noch genau so wie im November 1957, als in...

Einige seiner Kunden seien schon trabi-erfahren und bräuchten die Anleitung nicht, sagt Ehle. „Das sind Ältere, die in der Vorwendezeit einen eigenen hatten und dann beim ersten Gasgeben ganz emotional werden.“ Es gebe allerdings auch Jüngere, die zu ihm kämen, um das Fahrerlebnis einfach mal auszuprobieren. Manche Kunden mieteten sogar einen oder gleich alle drei Wagen für ihre Hochzeit.

Die meisten seiner Kunden kämen aus Berlin, wahrscheinlich wegen der dort höheren Preise, sagt Ehle. Zwei Stunden Ostalgie kosten in Neuseddin 50 Euro, in Berlin können Kunden schon mal mit 80 Euro rechnen, je nach Anbieter. Langfristig aber habe sich das Geschäft südlich von Potsdam nicht gerechnet. Die Versicherung für Mietwagen sei teuer und außerhalb der Sommermonate stünden sie ungenutzt herum, verursachten also Kosten, ohne etwas einzubringen. Auch sei Seddin für viele wohl doch etwas zu weit außerhalb. „Vielleicht hätte ich auch nur etwas mehr in Marketing investieren müssen“, sagt der Unternehmer.

Sollte bis zum Ende der Saison niemand die Firma übernommen haben, werde er den weißen und den türkisfarbenen Trabanten verkaufen; den hellblauen will er behalten. Unfassbar findet er, dass nach der Wende viele Besitzer ihren Trabbi einfach im Wald stehen ließen. Denn: „Die sind heute schon gut das Doppelte von dem wert, was ich vor ein paar Jahren bezahlt habe.“

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