Berlin : Oster-Einnahmen: Besuch im Museum statt Molle im Freien

Christian van Lessen

"Ostergeschäft? Tote Hose" schimpfte am Montagmittag vorm Bahnhof Zoo ein Taxifahrer, der sich mit Kollegen langweilte, während nur wenige Schritte weiter ein Fahrer der BVG-Linie 100 fast ins Schwitzen geriet und wegen drohender Überfüllung des Busses keine Leute mehr hereinlassen konnte. Eine Fahrt mit dem 100er durchs Brandenburger Tor zählte zu den Oster-Attraktionen, wie das Pergamon-Museum und die Gemäldegalerie. Hier verdoppelten sich die Besucherzahlen, das Pergamonmuseum zählte allein am Ostersonntag mehr als 6000 Gäste. Zahlreiche Museen und Kinos, aber auch viele Kneipen und Restaurants konnten vom schlechten Wetter profitieren.

Die Direktoren von Zoo und Tierpark oder die Besitzer von Straßencafés und Gartenlokalen aber gehörten zu denen, die lange Gesichter zogen und sich wahrscheinlich wehmütig an Hoch "Olaf" erinnerten, das der Stadt im vergangenen Jahr das wärmste Osterfest seit 170 Jahren beschert und die Kassen gefüllt hatte. Für Zoo und Aquarium zusammen zählte man seit Karfreitag fast 50 Prozent weniger Gäste als zum letzten Osterfest bei fast 30 Grad; damals konnten sich Zoo und Tierpark über mehr als 110 000 Besucher freuen. Wenigstens das trockene und windgeschützte Aquarium konnte zwar allein die Besucherzahlen verdoppeln, aber das hellte die düstere Oster-Bilanz nicht auf.

Schätzungsweise rund 150 000 Touristen waren trotz der schlechten Wetteraussichten über die Osterfeiertage nach Berlin gekommen, wohnten bei Verwandten und Freunden oder hatten ohnehin ihr Zimmer gebucht. Viele davon in Potsdam, das offenbar zunehmend von Berlin-Touristen profitieren konnte, die in der Nachbarstadt günstigere Angebote entdeckten. Spezielle Oster-Offerten bot beispielsweise aber auch das mit rund 1100 Zimmern größte Berliner Hotel, das Estrel in Neukölln. Dennoch erreichte die höchste Auslastung nur eine Quote von 65 Prozent, über die anderere Häuser sogar noch glücklich wären. Etliche Hotels wollten sich nicht äußern. Offenes Geheimnis ist, dass die Branche heftig über das flaue Aprilgeschäft stöhnt, das offenbar auch die Feiertage nicht außergewöhnlich beleben konnte. Nicht zuletzt die Last-Minute-Angebote Richtung Süden haben Kunden abgeworben. Auf den Mai richten sich jetzt alle Hoffnungen.

Viele Touristen nutzen die Zeit für ausgiebige Stadtrundfahrten - mit dem eigenen Auto oder auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Freude der BVG-Fahrkartenkontrolleure bildeten sich etwa am U-Bahnhof Zoo lange Warteschlangen vor den Entwerter-Automaten, was allerdings das allgemeine Durcheinander nur noch verstärkte. Größer war das Gewusel nur noch zehn Meter höher, auf den Bahnsteigen des Fernbahnhofs, der gestern mittag wieder an seine Kapazitätsgrenzen zu stoßen schien.

Die Touristen auf dem Bahnsteig zeigten sich meist zufrieden mit ihrer Berlin-Visite. "Wer nach Berlin kommt, muss mit schlechtem Wetter rechnen", hieß es. Wieder standen die Museen der Stadt ganz vorn auf der Lobesliste, auch wenn das wegen Umbau geschlossene Zeughaus vermisst wird. Vermisst wurden auch weltstädtische Einkaufsmöglichkeiten: Das Europa-Center beispielsweise war gestern mittag zwar proppenvoll, aber die Kunden konnten sich fast nur Geschäftsauslagen ansehen.

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