Osterbrauch Eierlikör : Wie der Schwedeneisbecher entstand

Zu Ostern einige Gläschen Eierlikör leeren? Warum nicht. Schon allein, weil's Ulbricht und Lindenberg gleichermaßen erfreuen würde. Eine Glosse.

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Geeignet zu Ostern und auch bei anderen Gelegenheiten: Eierlikör.
Geeignet zu Ostern und auch bei anderen Gelegenheiten: Eierlikör.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Es ist ein Brauch von alters her: / Wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ Das wusste schon Wilhelm Busch, aber Eierlikör kann er damit nicht gemeint haben. Zwar enthält auch diese zähflüssige, an sich harmlos wirkende Substanz zwischen 14 und 20 Volumenprozente Alkohol, aber bevor ein von Sorgen geplagter Zecher die zum Ertränken derselben nötige Dosis intus hat, dürfte sein Magen längst revoltiert und sich der gelben Flut wieder entledigt haben.

Ein sparsamerer Genuss ist also angebracht, beispielsweise in Gestalt eines Schwedeneisbechers. In dem skandinavischen Land hat man von dieser vermeintlich landestypischen Spezialität erst erfahren, als ehemalige DDR-Bürger in Restaurants danach fragten. Ihnen war diese Kreation aus Vanilleeis, Apfelmus, Schlagsahne und eben Eierlikör seit 1952 geläufig, erstmals soll sie auf der Karte eines Pankower Eiscafés aufgetaucht sein und von Walter Ulbricht persönlich mit diesem Namen bedacht worden sein.

Denn während der Olympischen Spiele jenes Jahres wurde die bundesrepublikanische Eishockeymannschaft von den Schweden besiegt. Das freute den starken Mann der DDR so sehr, dass er die von ihm geliebte, eierlikörhaltige Erfrischung kurzerhand Schwedeneisbecher nannte. Damit wurde er quasi zu deren Schirmherrn, wobei es sich freilich nur um ein Eisschirmchen handelte.

Eierlikör hat aber auch in reinem Zustand prominente Freunde. Der prominenteste ist sicher Udo Lindenberg, der damit sogar Bilder gemalt haben will, ihn aber vor allem „zum Gurgeln fürs Goldkehlchen“ nutzt. Eine offenbar ansteckende Leidenschaft, jedenfalls waren die 720 Liter, die im Vorjahr auf einer von Lindenberg begleiteten Mittelmeer-Kreuzfahrt gebunkert worden waren, schon lange vor deren Ende von den 2500 mitreisenden Fans geleert worden.

Und dabei sind die Eier ursprünglich nur Ersatz für Avocados gewesen, die der Antwerpener Fabrikant Eugen Verpoorten nicht in genügender Zahl zur Verfügung hatte, als er ein Erfrischungsgetränk der brasilianischen Ureinwohner kopieren wollte. Aber solch eine grüne Brühe hätte kaum zu dem im Westfälischen bekannten Rezept des „Falschen Osterhasen“ gepasst: Eine Götterspeise mit einem hartgekochten Ei in der Mitte wird mit Eierlikör übergossen. Der Brauch schreibt nun vor, den „Hasen“ zu halbieren und möglichst das Ei zu treffen, das bringt angeblich Glück. Durchschneidet man es genau in der Mitte, ist fürs kommende Jahr mit Nachwuchs zu rechnen. Also erst Eierlikör, dann Eiapopeia.

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