Berlin : „Ostermärsche sind nicht mehr zeitgemäß“

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Frau Eichstädt-Bohlig, wann waren Sie zum letzten Mal auf einem Ostermarsch?

Ich bin in den 80er Jahren oft auf Ostermärschen mitgelaufen. Aber nach dem Ende des Kalten Krieges, der ja ein Grundmotiv der Ostermärsche war, hat diese Art von Friedensdemonstrationen an Bedeutung verloren.

Wieso?

Sie sind zum Ritual geworden, da sie sich nur noch gegen Kriegs- und Konfliktsituationen im Allgemeinen wenden, ohne sich differenziert mit ihnen auseinanderzusetzen. Deswegen finde ich die Ostermärsche nicht mehr zeitgemäß.

Dabei gibt es auch heute von Afghanistan bis Iran und Irak viele Themen, die die Menschen beunruhigen.

Ja, aber mit diesen Themen muss man sich spezifisch auseinandersetzen. Viele Ostermarschaufrufe tun das zu pauschal.

Sagen Sie das als Politikerin einer Partei, die sich in ihrer Regierungszeit mit der Friedensbewegung überworfen hat?

Wir haben bei den Konflikten in Ex-Jugoslawien viel gelernt, und ich gehöre zu denjenigen Grünen, die sagen, da musste militärisch eingegriffen werden.

Haben sich die Grünen endgültig von der Friedensbewegung entfremdet?

Nein, aber man muss spezifisch hingucken, was zum Beispiel in Darfur, Afghanistan oder dem Irak los ist. Die Lehre aus dem Kosovo und auch aus Afghanistan ist: Es reicht nicht immer aus, gegen jegliche militärische Einsätze zu sein.

FRANZISKA EICHSTÄDT-BOHL IG (65) ist Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus. Von 1994 bis 2005 saß sie

im Bundestag.

Mit ihr sprach

Lars von Törne

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