Berlin : Ostern am Strand

Das Wannseebad wird saniert und öffnet erstmals in dieser Saison – mit weniger Bäumen als zuvor

Christian van Lessen

Wenn Karfreitag erste Besucher ins Strandbad Wannsee kommen, werden sie sich gleich am Eingang wundern. Es hat Kahlschlag gegeben. Rund hundert Bäume wurden gefällt, die den Blick aufs Wasser verstellt hatten. „Jetzt bietet sich ein Aha-Erlebnis“, verspricht Helmut Engel von der Stiftung Denkmalschutz Berlin, die das Bad mit Rücksicht auf die Historie saniert.

„Von kahl kann keine Rede sein. Eher von freiem Blick“. Die Besucher sollten „gleich das Gefühl haben, an der Berliner Ostsee zu sein“, schwärmt der frühere Landeskonservator. Die Fällaktion habe man mit den Denkmalschützern und Forsten abgestimmt, versichert Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäderbetriebe. Die einstige Parkanlage sei in Jahrzehnten „zum wilden Wald mutiert“. Die Stiftung – sie sanierte das Brandenburger Tor – hat mit 40 ABM-Kräften den Wald zum großen Teil aufräumen lassen. Dabei stellte sie fest, dass von einer Pflege in der Vergangenheit nicht die Rede sein konnte. Es wurden, kritisiert Engel, wilde Schneisen geschlagen, Materialen gelagert, Zäune über Zäune gezogen. „Man darf so ein wichtiges Baudenkmal nicht 15 Jahre vergammeln lassen“, sagt Engel. Seit 1996 wird das Bad von den Bäderbetrieben geführt, zuvor stand es unter Zehlendorfer Bezirksregie.

Die Außenanlagen sind nur ein Nebenschauplatz: Baulich hat sich seit Oktober einiges im maroden Bad getan, „die Sanierung ist richtig in Schwung gekommen“, freut sich Lipinsky. Der privaten Stiftung, die für 8,5 Millionen Euro zwei Hallen herrichten will, gebühre großes Lob. Die Firma Hochtief saniert im Auftrag der Stiftung gerade die einstige Umkleidehalle A und den dazugehörenden Wandelgang. Alte Stahlträger erwiesen sich als so stabil, dass sie nicht ausgewechselt, sondern nur mit Rostschutzmitteln bearbeitet, Fassaden nicht aufgerissen werden mussten. Die Deckenbelastung wurde erhöht. Mitte Juli sollen die Halle, bis Mitte September die Wandelgänge fertig sein, kündigt Hochtief-Oberbauleiter Harry Nickel an. Mit der Sanierung der Halle C soll dann im Oktober begonnen werden, die Arbeiten dauern voraussichtlich bis September nächsten Jahres. Die beiden anderen großen Hallen wurden zwar vor rund 20 Jahren renoviert, dabei soll aber gepfuscht worden sein.

Noch ist unklar, was aus den sanierten, zweistöckigen Hallen werden soll, für Umkleiden werden sie jedenfalls nicht gebraucht. Der Vorstand der Bäderbetriebe denkt beispielsweise an Tagungsräume. Unklar ist auch, was aus dem Sanierungsfall „Lido“ wird, dem Restaurant. Es soll zwei ernsthafte Interessenten geben, sagt Lipinsky, in Kürze werde verhandelt. Mehr als drei Millionen Euro müssten in das Restaurant und das Rondell seines Wandelgangs investiert werden. Auch die Stützwände hinter den Hallen sind ein Problem. Sie müssten dringend saniert werden, noch laufen die Ausschreibungen. Diese Arbeiten gehören zum öffentlichen Anteil, für den das Land Berlin vier Millionen Euro zur Verfügung stellen will. Das Bad soll zum 100. Geburtstag 2007 „vorzeigbar“ sein.

Auf dem Vorplatz wurden wieder alte „Drängelgitter“ montiert. Sie sollten Buswartende in geordnete Bahnen lenken. Die BVG fährt allerdings seit Jahren hier nicht mehr vorbei.

Das Strandbad Wannsee (Wannseebadweg) öffnet von Karfreitag bis Ostermontag von 10 bis 17 Uhr für Sonnenbader. Der Eintritt ist frei, auch die Benutzung von rund 40 Strandkörben. Richtig beginnt die Saison fürs Sonnenbaden voraussichtlich am 18. April, der reguläre Badebetrieb startet trotz Bauarbeiten am 30. April.

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