Ostern : Berlin ist das Gelbe vom Ei

Feldhockey gucken, eine Oper hören, Street-Art in Kreuzberg entdecken: Was Touristen zu Ostern in der Stadt suchen.

 Christoph Spangenberg
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Überraschungsei Berlin. Über Ostern ist gut was los in der Stadt.Foto: Uwe Steinert

Sie haben die City auch zu Ostern fest im Griff: Berlin-Besucher. Das Wetter meint es gut mit ihnen, und die Stadt hält schließlich viele Überraschungseier bereit. Wir wollten von den Spaziergängern wissen: Was ist für Sie am Osterwochenende das Gelbe vom Ei?

Bob Postma (31) und Sabine Mol (25) aus dem holländischen Breda wollen Sabines Schwester anfeuern. Emilie spielt mit ihrem Verein Hertogenbosch beim Feldhockey-Europacup der Frauen mit, der über Ostern in Berlin stattfindet. Das typische Tourismusprogramm ist da eher Nebensache. Trotzdem schauten die beiden sich begeistert das Brandenburger Tor, den Reichstag und Checkpoint Charlie an.

Für Lea Kress ist der Überraschungsbesuch ihrer beiden Freundinnen Toya Drechsler (21) und Elisa Jäger (22) aus München das Schönste am Osterwochenende. Mitten in der Nacht zu Freitag standen die beiden plötzlich in ihrem Zimmer und weckten Lea pünktlich zu ihrem 22. Geburtstag. „Die beiden sind meine Ostereier“, sagt Lea lachend. In Berlin wohnt die BWL-Studentin erst seit einem halben Jahr. Das lange Wochenende verbringen die drei Freundinnen mit Boot fahren auf der Spree, viel Eis essen und Feiern auf einer WG-Party. Der Ostersonntag soll mit einem ausgiebigen Brunch begonnen werden.

John und Therese Clemo (40) sind sich einig: „Wir wollen Tristan und Isolde in der Oper anschauen“, sagen sie gleichzeitig, während sie auf einer Bank auf dem Pariser Platz die Sonne genießen. Die beiden Engländer leben im holländischen Eindhoven und haben zu dem Stück einen besonderen Bezug: die Handlung spielt teilweise in der südenglischen Landschaft Cornwall, wo die Clemos ursprünglich herkommen. Sie wollen Lokalpatriotismus zeigen und nehmen die Flagge Cornwalls mit in die Oper. John und Therese freuen sich über die Osterdeko in Berlin: „Toll, wie hier gefeiert wird, all die Hasen und Eier. Das gibt es in England und Holland nicht.“

Helga (68) und Reinhold Schmitz (69) aus dem rheinischen Troisdorf lösen in Berlin ein Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder und Enkel aus München ein. Zusammen mit Tochter Andrea, Sohn Wolfgang, Schwiegertochter Laudiceia und den Enkeln Luis und Luana verbringen sie Ostern in der größten Stadt, die Opa Reinhold je gesehen hat. Die siebenköpfige Familie schwärmt vom Besuch des Reichstags. Über einen Abgeordneten konnten sie eine besondere Führung organisieren. Am Sonntag geht es nach Potsdam, das Schloss Sanssouci angucken.

Fuat Sahin (24) und Freundin Deborah Menck (22) aus Hamburg wollen „Klein-Istanbul“ sehen, wie sie Kreuzberg nennen. „Wir wollen einen Einblick bekommen, wie die Menschen dort leben, wie es da zugeht.“ Das sei interessanter als das gewöhnliche Sightseeing. Fuat kennt kaum Multi-Kulti-Stadtteile. Er kommt eigentlich aus München und lebt erst seit einem Dreivierteljahr in Hamburg. Auf Ostereiersuche gehen die beiden nicht. Dafür spendiert Fuat aber einen großen Picknickkorb.

Kreuzberg ist auch das Ziel von Hannah Billing und Patrik Numanovic. „Wir wollen die Stimmung einfangen, einfach ein wenig abhängen.“ Und außerdem Häuserwände und Stromkästen nach Street-Art absuchen. Denn so was sehen die beiden 23-jährigen Studenten aus dem schwedischen Lund daheim kaum. Im Mauerpark haben sie schon die Graffiti-Künstler bewundert.

Rüdiger Stoltz aus Nibüll ist das erste Mal nach der Wende in Berlin. Den Ostteil kennt der 51-Jährige bisher gar nicht. Zusammen mit dem fünfjährigen Sohn Magnus und Lebensgefährtin Grit Fischer (42), die den zweijährigen Lennart auf den Schultern trägt, schaut die Familie bei einer alten Freundin vorbei. „Sie wohnt schon seit fünf Jahren in Berlin, jetzt mussten wir sie endlich mal besuchen.“ Über Ostern wollen die vier so viel von der Stadt sehen wie möglich. Aber Rüdiger weiß: „Ein Wochenende ist viel zu wenig. Wir wollen auf den Geschmack kommen und Gründe finden, wiederzukommen.“

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