Berlin : Ostwärts

Werner van Bebber

bezweifelt der Altersweisheit letzten Schluss Schon rührend, wie milde unsere kurz vor der Pensionierung oder schon jenseits derselben stehenden älteren Staatsmänner sind. Bundeskanzler Gerhard Schröder will, ehe er 2006 seine wohlverdiente Rente in New York zu verzehren beginnt, noch eben den Chinesen den Zugang zu Hardware deutscher Herkunft öffnen. Eberhard Diepgen, der die Zeiten noch erlebt hat, als Berlin nicht bloß eine große arme Stadt in Deutschland, sondern ein bedeutendes Weltpolitikum war, wirbt neuerdings für Moskau: Seit dem Sonnabend ist Diepgen Botschafter für die Bewerbung Moskaus um die Olympischen Spiele 2012. Diepgen begründet seine Neigung zum Osten mit der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Moskau, die er angeregt habe. Ach ja, alles wird gut, alles funktioniert, mit Altersweisheit betrachtet, nach dem schönen Prinzip „Wandel durch Annäherung“ – der Geist der Freiheit, die Menschenrechte, das alles springt von allein nach China und Russland über, wenn man nur freundlich lächelnd Waren tauscht und Kontakte stiftet. Ein Glück, dass Havanna nicht mehr im Rennen um die Spiele ist. Städtepartnerschaftlich ist heute nichts mehr ausgeschlossen.

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