Berlin : Oswalds Woche: Liebling, schrei doch nicht so!

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Sind Sie ein geräuschempfindlicher Zeitgenosse? Geht Ihnen der Krach auf der Straße auf die Nerven? Sind Sie es langsam Leid, jedem Taxifahrer zu sagen, er möge das furchtbare Klassik-Radio mit den uralten Ohrwürmern endlich abstellen? Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie im Kino sitzen, andere Leute zu spät kommen und dann auffällig leise ihren Mantel ausziehen und ganz langsam ihre Bonbontüten öffnen? Jörg Hildebrandt ist ein sehr geräuschempfindlicher Mann. Das enthüllte er kürzlich in einem Interview, das er mit seiner Frau gab.

Jörg Hildebrandt ist der Ehemann von Regine Hildebrandt, der früheren brandenburgischen Sozialministerin, deren ausnahmslos lautstarke Auftritte noch manchem Zeitgenossen in Erinnerung sind. Er sage seiner Frau immer wieder: "Schrei nicht so". Seit der Hochzeit sage er das zu ihr. Die war vor 34 Jahren.

Der arme Mann - er ist stellvertretender Chefredakteur von Radio Kultur beim SFB/ORB - ist so empfindlich, dass er nicht mehr in die Oper geht, weil er die Nebengeräusche des Publikums nicht ertragen kann. Jedenfalls ist das seine Begründung, mit der er seiner Frau den Opernbesuch verweigert, den sie sich so sehr wieder einmal wünscht. Glückliche Ehepaare - die Hildebrandts gehören offensichtlich dazu - wissen, warum sie so gerne zusammen sind. Jörg Hildebrandt sagte, mit seiner Frau sei es nie langweilig. Seit er mit ihr zusammenlebe, habe es keinen Tag gegeben, an dem er gesagt habe: "Na, heute war ja mal gar nichts los".

Können Sie das von Ihrer Partnerin auch sagen? Oder gehören Sie auch zu den furchtbaren Langweilern, die kleinkariert darauf bestehen, dass die Frau wenigstens für eine kurze Zeit einmal ruhig ist? Solche Forderungen sind nicht nur uncharmant, sondern auch ignorant. Viele Frauen, die ruhebedürftige Männer haben, können ein Lied davon singen. Was könnten die Männer alles lernen, wenn sie zuhörten.

Ruhebedürftige Männer haben zuweilen noch andere maßlose Ansprüche. So wünscht sich Jörg Hildebrandt, dass sich seine Frau einmal etwas anderes anzieht als immer nur die "superbequemen Sachen". Da ist er offenbar ähnlicher Meinung wie die Stasi. In ihrer Akte, so Frau Hildebrandt, stehe: "Sie war ungünstig gekleidet."

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