Berlin : Oswalds Woche: Wenn Träume wahr werden

In Berlin ist es doch am schönsten. Die Sonne scheint, die Nächte sind lau, Ariane Sommer fährt in Urlaub, und man kann wieder auf Partys gehen. Berlin können Sie nur noch toppen, wenn Sie nächstes Wochenende nach Mallorca fliegen. Dann wären Sie wirklich zu beneiden. Dann könnten Sie endlich am Flughafen-Taxistand Ihre hier erworbene Durchsetzungskraft ausprobieren. Zuerst geht es gegen die anderen Berliner, und die Stärksten der Starken machen anschließend vereint die Briten fertig. Nur Feiglinge meiden Mallorca, weil sie Angst haben, dass ihnen ein anderer Ballermann-Tourist aus Berlin über den Ärmel kotzt. Damit drängt sich die Frage auf, warum einem dieser Menschenschlag hier in Berlin nie begegnet. Oder ist er Ihnen etwa schon einmal über den Weg gelaufen?

Aber reden wir nicht vom Teufel. Kaum scheint die Sonne, laufen Männer plötzlich in abgewetzten kurzen Hosen und alten Badelatschen herum, zeigen stolz ihre gelben Stachelbeinchen und Brusthaare und riechen im besten Fall noch penetranter nach Rasierwasser als sonst. Da wundert man sich, dass Frauen überhaupt noch Kinder kriegen.

Aber es geschehen immer wieder Wunder. Neulich erzählte mir eine Frau, eine lesbische Freundin habe ein Kind bekommen. Wie das geht? Nun, sie lebt mit einem heterosexuellen Freund seit Jahren zusammen. Jeder hat seine Beziehungen laufen, das Paar ist wie Bruder und Schwester zusammen. Als die Frau eines Tages furchtbar litt, weil ihre Freundin Schluss gemacht hatte, weinte sie sich die ganze Nacht bei dem Freund aus, und irgendwie war sie dann eben nun mal schwanger. Die Prognose für die Familie ist ausgezeichnet. Das Paar hält fest zusammen, zieht das Kind gemeinsam auf, und keine verwirrenden Liebesdinge stören das familiäre Glück. Vor allem bleibt der Frau ein Albtraum erspart: Sie hat nicht 24 Stunden am Tag einen treuen Ehemann am Hacken und kann lieben, wen sie will. Die Schwangerschaft ereignete sich übrigens vor dem Filmstart von "The next best Thing", in dem das gleiche umgekehrt passiert und Madonna mit ihrem schwulen Freund, gespielt von Rupert Everett, intim wird.

Träume werden auch ohne Hollywood-Vorbild wahr. Wissen Sie schon, was Sie Ihrem Vater zum Geburtstag schenken? Eine Super-Idee hatte Ben Becker. Er schenkte Otto Sander zum 60. eine Schuhputz-Maschine. "Die hatte ich mir immer gewünscht", sagte Sander auf der Party. Manche Wünsche erfüllen sich eben erst spät. Eine Schuhputz-Maschine hat allerdings einen Nachteil: Gute Schuhe erkennt man daran, dass sie auch ungeputzt gut aussehen. In geputzten Schuhen halbwegs gut dastehen kann jeder. Aber in nicht geputzten, da zeigt sich Klasse.

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