Paar aus Berlin auf Reisen : Im Ultraleichtflugzeug um die Welt

Sie haben alles verkauft, was nicht in zwei kleine Koffer passt: Doreen Kroeber und Andreas Zmuda aus Berlin reisen um die Welt - in einem Gestell mit zwei Sitzen und einem Segel, ohne Dach.

Simon Grothe
Damit kann man um die Welt fliegen: Doreen Kroeber und Andreas Zmuda vor ihrem Ultraleichtflugzeug.
Damit kann man um die Welt fliegen: Doreen Kroeber und Andreas Zmuda vor ihrem Ultraleichtflugzeug.Foto: Promo

Eigentlich wollten Andreas Zmuda und Doreen Kroeber mit ihrer Weltreise bis zur BER-Eröffnung warten. Nicht, um von dort aus zu starten, sondern wegen der Arbeit. Kroeber war Koordinatorin im Hochbau auf der Flughafen-Baustelle. Als der Eröffnungstermin verschoben wurde, kündigte sie. Seitdem fliegen die beiden, er 52, sie 42 Jahre alt, in einem Ultraleichtflugzeug um die Welt. Platt gesagt, besteht es aus zwei unüberdachten Sitzen und einem neun Meter langen Segel. Wie ein Drachen.

Bevor sie vor zwei Jahren abhoben, verkauften sie ihren kompletten Hausrat. Wirklich alles, was nicht in zwei kleine Koffer passte. Auch ihre Handys. Erste Station: Florida. Er machte seinen Flugschein, die Ultraleichtmaschine kam per Post. Die Route führte über Mexiko, Mittelamerika, Kolumbien, Argentinien und wieder hoch nach Brasilien, wo sie im Sommer 2014 zur WM landeten.

Das Fluggerät parkt auf dem Militärflughafen von Tobago

Bevor es im Februar weitergeht, flogen Zmuda und Kroeber für zwei Monate zurück nach Berlin – allerdings mit einer Linienmaschine. Ihr Fluggerät parkt derweil in der Karibik, auf dem Militärflughafen des Präsidenten von Tobago. Während ihrer Zeit in Deutschland sammeln die beiden mit Vorträgen über ihre Abenteuer Geld für die Tour, die sonst nur von Erspartem und kleinen Sponsoren finanziert wird.

Beide tragen schwarze T-Shirts mit ihren Reisezielen und voraussichtlichen Ankunftsdaten. Ein bisschen erinnern sie an Abi-Shirts, und auch der Vortrag wirkt so persönlich und unverstellt wie bei einem Dia-Abend in der Familie. Am Anfang stehen sie etwas unbeholfen auf der Bühne, während sie warten, bis die Musik beginnt. Die ist dann oft dramatisch, zum Beispiel während einer Szene in Mexiko. Zwei Stunden Dschungel, zwei Stunden Mafiagebiet mussten die beiden überfliegen. Ein Sturm kommt auf, kurz vor dem Ziel müssen sie notlanden. Misstrauisch werden sie von uniformierten Männern beäugt. Als Zmuda ihnen auf Spanisch erklärt, dass sie mit ihrem Miniflugzeug nach Australien fliegen wollen, können sich die Mexikaner vor Lachen kaum halten. Sie dürfen in dem Dorf wohnen, fünf Tage lang.

In Ecuador landeten sie einfach am Strand

In der Regel landen sie auf Flughäfen, manchmal aber einfach auf ebenem Grund. Zum Beispiel in Ecuador am Strand. Das ganze Dorf kam, um zu sehen, wer oder was da gerade vom Himmel gefallen war. „Die dachten bestimmt, wir wären Außerirdische“, sagt Zmuda und lacht. Am nächsten Morgen waren alle schon vor den beiden wach und befreiten den Strand von Treibholz. Schon war die Startbahn wieder intakt.

Startbereit: Doreen Kroeber und Andreas Zmuda
Startbereit: Doreen Kroeber und Andreas ZmudaFoto: Promo

Öfters sagt Zmuda nach solchen Szenen: „Die Welt ist gut.“ Das rechtfertigt auch seine Antwort auf die Frage, ob sie nicht Angst haben, Regionen wie Ägypten oder Pakistan zu überfliegen: „Nein, warum?“ Das kann man ganz schön mutig finden. Und sechs Jahre mit einer Person auf engstem Raum auch.

Die Entscheidung fiel beim Weintrinken

„Die Entscheidung für die Weltreise fiel beim Weintrinken“, erzählt Zmuda. Er hatte 20 Jahre lang als Reiseleiter in Südamerika gearbeitet und Doreen Kroeber bei einer Führung im Amazonas kennengelernt. Sie holte ihn zurück nach Berlin, doch lange hielt es ihn hier nicht. Vier Wochen wollten sie durch die USA fliegen. Auf der Tour erzählte Zmuda von Südamerika, sie fragte: Können wir da nicht hin? Er öffnete eine zweite Flasche Wein, sie träumte: „Einmal über eine Elefantenherde fliegen. Das muss großartig sein.“ Auch das Berliner Publikum beginnt zu schwärmen: „Peru, Costa Rica, Kolumbien... Warum nich, wa?“ Zmuda entgegnet: „Viele Menschen träumen, aber dann kommt irgendwas dazwischen und sie verwerfen den Plan.“

In ein paar Wochen wollen sie weiterfliegen, über Kanada, Grönland, Skandinavien nach Europa, dann Afrika. Zu Beginn der Reise schrieb sie in einem Blog, dass sie 2015 in Sydney ankommen werden. Jetzt verzögert sich die Ankunft um drei Jahre. Vielleicht können sie dann ja bei der Rückkehr auf dem BER landen.

Weitere Vorträge am 26.1. im Kulturhaus Spandau und am 27.1. im Fontanehaus Reinickendorf, 20 Uhr, 10 Euro, ermäßigt 9 Euro. Informationen auch auf der Website der beiden: www.trike-globetrotter.de.

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