Berlin : Pack die Badewanne ein

Mit 32 schon Direktorin: Die neue Chamäleon-Chefin Anke Politz feiert am Donnerstag die Premiere von „Soap“, ihrer ersten Show – und begibt sich dabei gleich auf glitschiges Terrain, in die Welt der Wasserpfützen und Seifenblasen

G,a Bartels

Die Badewannen hat sie besorgt. Sieben Stück türmen sich auf der Bühne des Chamäleons übereinander – natürlich nicht selbst bezahlt. Sponsoren zu gewinnen ist einer der vielen Jobs, die Theaterdirektorin Anke Politz erledigt. Und für „Soap“, die neue Show des Varietés in den Hackeschen Höfen, rollte eben der Laster eines bekannten Badausstatters an.

Was die frisch gebackene Direktorin sonst noch so an ihrem nach hinten offenen Arbeitstag macht? Sie lächelt: „Tausend Fragen der Kollegen beantworten.“ Das hat die 32-Jährige seit 2004 geübt – als Pressefrau des Chamäleons. Und vorher bei Promotionagenturen, wo sie in kurzer Zeit von der Praktikantin zur Projektleiterin aufstieg. Wie das funktioniert hat? „Mit Fleiß und Zuverlässigkeit“, sagt sie. Und wenn eine Premiere anstehe wie jetzt im Chamäleon, müsse man schon mal bereit sein, sich aufzuopfern.

Auch die neun Artisten, die in „Soap“ in den Wannen planschen, bieten aufopferungsvolle Körperkunst – angeleitet von Regisseur Markus Papst. Die im Chamäleon selbst ausgedachte Wet-T-ShirtAkrobatik umfasst alle denkbaren Varieténummern – vom Handstand auf glitschigem Wannenrand über Riesenseifenblasen aus Badeschaum bis zur Operndiva, die „Pack die Badehose ein“ als Wannenarie nach Schubert, Mozart oder Beethoven trällert. Nur eben all dies nicht als Nummernrevue, sondern Ensemblestück, das durch fetzige Musik und eine poetische Geschichte verbunden ist, aus dem Off erzählt von Wolfgang Völz alias „Käptn Blaubär“. „Modernes Varieté, gerade auch für junge Leute“, nennt Anke Politz den neuen Stil in der Körperkunst, für die das Chamäleon inzwischen international bekannt sei. Ihr persönliches Verhältnis zum Badezimmer? „Ich bin Duscherin“, sagt die Varietéchefin, „meine schöne Wanne benutzen nur Gäste.“

Geboren wurde Anke Politz in Sachsen-Anhalt, in Wallhausen bei Sangerhausen. Letzteres ist für den Rosengarten, das Rosarium, bekannt, ersteres für nichts. Oder seit dem Jahresanfang dafür, Deutschlands jüngste Varietéchefin hervorgebracht zu haben. Zuerst hat die Abiturientin 1992 aber erstmal was Anständiges gelernt: Krankenschwester. In der Nachwendezeit wollten ihre Eltern das gern, obwohl sie schon damals einen Hang zum Showbiz hatte, Bands betreute und Konzertkritiken schrieb. 1997 ging es fürs Studium nach Berlin. „Meine Schwester hat Medizin in Russland studiert. Total mutig. Da wollt’ ich Landei wenigstens testen, ob ich in der Großstadt überlebe.“ Am Anfang sei es schwer gewesen. Große Uni, struppige Stadt. Inzwischen ist das scheue Ostmädchen mit den seelenvollen Augen aber hier zu Hause.

Die Arbeit hinter den Kulissen des Chamäleons sei ihr Traumberuf, sagt Anke Politz. „Das ist so ein lebendiges und menschliches Arbeiten am Theater.“ Dabei sein und zugucken, wie Menschen kreativ sind. Und selber auf der Bühne stehen? „Nee, ich kann nicht singen oder schauspielern und werd’s auch nie versuchen.“ Sie schaffe den Künstlern aus aller Herren Länder, den Technikern, dem Küchenchef und all den anderen Theaterleuten die Struktur für ihre Arbeit – in einem auf Harmonie setzenden, weichen Führungsstil. „Ich habe zwar nicht Hebamme gelernt, bin aber trotzdem so ’ne Art Geburtshelferin für jede Produktion.“ Umso praktischer, dass sie als Krankenschwester die Akrobaten gleich verarzten kann. Falls mal einer aus der Wanne flutscht.

„Soap“, ab 1. März im Chamäleon. Di bis Fr 20 Uhr, Sa 19 Uhr und 22 Uhr, So 19 Uhr. Karten ab 21 Euro unter 4000 590.

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