Berlin : Pack die Pudelmütze ein

Am Montag beginnt im Strandbad Wannsee die Saison. Die Rettungsschwimmer frieren schon jetzt

Katja Füchsel

Kalt? Ach was, sagt der Rettungsschwimmer, alles ist relativ. Am frühen Morgen, als sie die gelb-weißen Strandkörbe am Strand zurechtruckelten, da hatten „wir noch Tropfen an der Nase“. Und am Tag davor, da fegte ein Sturm über das Wasser, der den Männern die Schneeflocken in die Augen peitschte. Aber jetzt? Zwei Grad Luft-, sechs Grad Wassertemperatur. Alles locker. „Wir sind bereit“, sagt Schwimm-Meister Horst Schwabe und blickt er grinsend Strand hinunter, zur Wasserrutsche, den Strandkörben, dem geharkten Sand…

Die Rettungsschwimmer hören sie schon singen, die Witzbolde, die sich ab Montag an der Kasse einfinden werden: „Pack’ die Pudelmütze ein, nimm dein dickes Mäntellein…“ Nächste Woche öffnet um 10 Uhr das Strandbad Wannsee, in Europas größtem Binnenseebad beginnt die Sommersaison – aber heute herrscht hier Winter. „So kalt war’s noch nie“, sagt Schwabe, der es wissen muss. Seit fast 40 Jahren arbeitet er als Rettungsschwimmer, seit fünf Jahren ist er Chef im Strandbad. Über seine Leute sagt der 64-Jährige: „Die sind alle sehr, sehr hungrig auf Luft und Sonne.“ Im Moment wärmen sich die Retter noch an dampfenden Kaffeetassen, in ihrem Raum läuft ein Heizlüfter auf Volltouren. Aber es gibt keinen Weg dran vorbei. Sollte es am Montag einen Eisbader packen, muss einer von ihnen raus. Über den Steg hasten, auf den Turm, wo der Wind noch viel kälter weht. Im Trainingsanzug wird er da stehen und denken: „Bitte, bitte nichts passieren! Ich will da nicht rein!“ Die Rettungsschwimmer wissen, wie das ist, wenn man ins eiskalte Wasser springt. „Als wenn man mit einer Riesenzange gekniffen wird.“

Trotz allem weiß der Chef: Ein paar Sonnenstrahlen nur, dann strömen sie , die sonnenhungrigen Berliner und Touristen. Eine Hand am Basecap, der Trainingsanzug flattert im Wind. Ein T-Shirt tragen seine Rettungsschwimmer drunter. Und lange Unterhosen? Schwabe lacht. „Sowas machen sie nicht.“ Echte Kerle, eben.

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