Berlin : "Paganini-Variationen" - Witz und Verve

Gregor Schmitz-Stevens

Siegfried Matthus und die Komische Oper - das ist seit Jahren, ja seit Jahrzehnten eine feste Verbindung. Nach der erfolgreichen und viel beachteten Aufführung des "Manhattan Concerto" unter Leitung von Kurt Masur im Januar 1998 entstand der Wunsch, Matthus möge ein Violinkonzert für die Konzertmeisterin Yamei Yu und das Orchester der Komischen Oper komponieren. Nun, nach nicht einmal zwei Jahren, lag das Auftragswerk vor und wurde im vierten Sinfoniekonzert uraufgeführt. Es sind Variationen über jenes berühmte Thema von Paganini, das von Brahms über Rachmaninow bis zu Lutoslawski schon so manchen Komponisten inspiriert hat. Matthus wählt die recht freie Form eines "Capriccios": unvermittelt wechseln thematisch gebundene Variationsteile mit freien kammermusikalischen Meditationen, die um die Solovioline und das "bâu" kreisen, ein faszinierendes einsaitiges Instrument, das Matthus vor kurzem in Hanoi kennen gelernt hat. Immer wieder prallen klangüppige Virtuosität à la Paganini und fernöstlich angehauchte Reduktion aufeinander - ohne dass dafür allerdings eine formal zwingende Erklärung zu finden wäre. Yamei Yu bewältigte den ihr auf den Leib geschriebenen Solopart famos, und auch das Orchester hatte großen Spaß an der neuen Partitur - allen voran die reichlich beschäftigten Schlagzeuger, die zu Beginn und Ende des Stückes sogar das Thema auf Roto-Toms intonieren durften.

Den ersten Teil des Konzertes ergänzte das Rondo "Les idées fixes" von Mauricio Kagel. 1988/89 komponiert, steht es am Beginn von Kagels bis heute andauernder Auseinandersetzung mit "absoluter Musik" und musikalischer Tradition. Ähnlich wie Matthus reiht auch Kagel Refrains und Couplets, baut eine musikalische Form aus Wiederholungen und Variationen - die auf die Dauer von zwanzig Minuten jedoch mitunter etwas starr und steif wirken. Vladimir Jurowski leitete das Orchester umsichtig und zurückhaltend. Mit souveräner Schlagtechnik animierte er seine Musiker nach der Pause dann zu einem wahren Feuerwerk: zunächst mit Dmitri Schostakowitschs grotesker und parodistischer "Hamlet-Suite" (Opus 32a), schließlich mit Leonard Bernsteins vor Geist, Witz und Verve nur so sprühendem "Divertimento". Ob Walzer, Samba, Blues oder Marsch - stets trafen Jurowski und das Orchester den richtigen Ton. Von so viel Spielfreude ließ sich das Publikum zu Begeisterungsstürmen entfachen.

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