Berlin : Palais am Festungsgraben: Auch ein Bunker taugt als glamouröse Kulisse

oom/ses/apa

Das schmucke Palais am Festungsgraben mit seinem pompösen Marmorsaal war gerade gut genug für die erlauchte Gesellschaft - nach der Premiere des Peter-Schamoni-Films "Majestät brauchen Sonne" traf man sich in dem 1751 von Christian-Friedrich Feldmann erreichteten ehemaligenpreußischen Finanzministeriums, das zu DDR-Zeiten das zentrale Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft beherbergte. Der Wirt des ansässigen Restaurants "Die Möwe", Aris Papageorgiou, servierte Schaumsuppe aus Kaiserschoten, Kaiser-Hähnchenbeine und Kaiserschmarrn mit Pflaumen. Diese Delikatessen mundeten dem erschienenen Adel, darunter Donata Herzogin von Oldenburg, Georg Friedrich Prinz von Preußen (amtierender Chef des Hauses), Alexander Erbprinz von Schaumburg-Lippe, Elena Prinzessin von Hessen und dem Prinzen von Anhalt, offenbar vorzüglich. Prinzessin Caroline und Prinz Ernst August, seines Zeichens Urenkel des letzten deutschen Kaisers, verschwanden nach dem Film. Mit dabei waren auch Sir Paul und Lady Lever sowie Markus Lutterotti, der österreichische Botschafter. Übrigens: Adelsfans gehen davon aus, dass sich weitere geladene Blaublüter weitgehend unerkannt unter die 400 Gäste mischten und zu Weill-Klängen am kaiserlichen Hähnchen knabberten.

Berlins Untergrund birgt noch viele Geheimnisse. Eins liegt unter einem Parkhaus in der Uhlandstraße und ist an diesem Abend nur in alten Luxuslimousinen erreichbar, die die Gäste abwärts bis vor einen Bunkereingang kurven. Drinnen tragen die Tische Namen in Leuchtschrift, die lauter schöne Phänomene beschreiben, von "Peace" bis "Creativity". An die finstere Vergangenheit der unterirdischen Anlage als Notfallquartier im Kalten Krieg erinnern nur die Brühwürfel im Glas. Lange bevor der passende Sud dazu gereicht wird, hat der halbe Tisch "Gentleness" den Würfel schon roh verspeist. Vier Gänge später wird der Höhepunkt des Abends hereingetragen: Das neue Parfum des Edel-Juweliers Cartier "MUST pour homme" in Test-Flakons. Augenblicklich versinkt Tisch "Creativity" im Zerstäubernebel, weil Prinzessin Maja von Hohenzollern und Ariane Sommer deren Ehemann Jens Herrmann einsprühen. Die meisten sprühen gerne, sich und der Freundin zuliebe, wie "Jeder gegen jeden"-Moderator Holger Speckhan, "einfach nur so", wie Moderator-Kollege Karsten Speck oder dem Publikum zuliebe, wie Chanson-Sänger Tim Fischer. Was ist das Besondere an der neuen Marke? Die Prise Anis, verrät Alois Zimmermann, die Chefnase hinter der Neuschöpfung. Eigentlich wollte er nach der Schule in die Wirtschaft gehen, dass er beim Parfum hängen blieb ist reiner Zufall. Jetzt will er dessen "verzauberte Welt" nicht mehr missen, was man in dem zum Luxus-Esszimmer umfunktionierten Bunker gut verstehen kann. Aber spätestens am Ausgang ist Schluss. Dort wartet ein weißer Jaguar darauf, die Gäste wieder an das Tageslicht zu befördern - eingehüllt in eine dicke Wolke Abgas vom Diesel-Benzin.

Was so ein paar Schnittblumen doch in einem Rohbau ausrichten können ... Gut, es waren auch der Champagner, die Samba-Band und die Canapees, die die Eröffnung des exklusiven Blumenladens Marsano in der Friedrichstraße zum Ereignis werden ließen. Aber die Blumendekoration in dem extra dafür geöffneten Nebenraum des Edelfloristen aus Zürich wurde dem Ruf des Hauses gerecht. Dabei hätte die Geschäftsführerin der Berliner Dependance, Lisa Dölling, gar kein Problem damit, wenn jemand einfach nur mal eine einzelne Rose kaufen möchte. Die hätte allerdings ihren Preis: So zwischen zehn und fünfzehn Mark kostet ein Exemplar, ist dafür allerdings auch aus ökologischer Zucht. Mit dabei: die Frau des Schweizer Botschafters, Shawne Borer-Fielding und andere Gäste wie etwa Autor Curth Flatow oder Susanne Juhnke und Sohn Oliver.

Hardrock, edler Schmuck und behinderte Kinder - eine ungewöhnliche Mischung, aber am Donnerstag ging sie auf. Der Hamburger Juwelier Wempe hatte zu einem Benefiz-Dinner zugunsten der Stiftung Nordoff / Robbins Musiktherapie eingeladen, die wiederum unter anderem von den anwesenden Scorpions-Musikern Klaus Meine und Rudolf Schenker ins Leben gerufen wurde. Designerin Kim-Eva Wempe hatte extra dafür ein Collier entworfen, das zugunsten der Stiftung versteigert wurde. "Wo gibt es denn heute überhaupt noch echte Familienunternehmen?" fragte Vater Hellmut Wempe nicht ohne Stolz - auch mit Blick auf die Eigentümer der Schweizer Uhrenmanufaktur Patek Philippe, Philippe Stern mit Frau Gerdi und Sohn Thierry. Denn die beiden Familienunternehmen feierten mit dem Abend 75 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit. Für eine ebenfalls versteigerte Patek-Uhr bot ein ungenannt bleiben wollender Spender schließlich stolze 130 000 Mark, so dass insgesamt schon mehr als 200 000 Mark für die Stiftung zusammengekommen waren - da legte Sänger Gregor Prächt noch seine Abendgage von 10 000 Mark drauf.

Nein, der legendäre Magazin-Gründer Larry Flynt war nicht da, dafür hatte "Hustler" - der USA liebstes Schmuddel-Magazin zur gleichnamigen Party in Ben Beckers "Trompete" ein paar echte Busen-Models geschickt. Die blieben zwar oben-Mit, tanzten dafür allerdings um so netter um die eigens angebrachte Räkel-Stange. Im Hinterzimmer steckten Becker und Udo Lindenberg die Köpfe zusammen. Der Hobby-Wirt war auf Wochenendurlaub von Dreharbeiten, Lindenberg erholte sich mit Sänger-Kollegin und Bühnen-Partnerin Natalie vom letzten Live-Auftritt.

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