Palast der Republik : Baustelle mit Blick

Der Palast der Republik am Berliner Schlossplatz wird voraussichtlich erst Ende 2008 von der Bildfläche verschwunden sein. Nur der hohe Stahlpreis schlägt beim Abriss positiv zu Buche.

Berlin - Bis zu seinem endgültigen Verschwinden bietet der ehemalige DDR-Prestigebau jedoch noch so manch imposanten Blick. Als die für den Bau charakteristischen bronzegetönten Fenster entfernt waren, konnten vom Alexanderplatz aus brillante Sonnenuntergänge durch das Stahlskelett beobachtet werden. Im Frühjahr würden die Berliner "schon einmal den freien Blick testen können", verspricht Projektleiter Michael Möller. Dann sei der Mittelteil des Gebäudes abgerissen und die Sicht in der einen Richtung auf den Französischen Dom und in der anderen auf den Fernsehturm ungetrübt.

Das Palast wird Möller zufolge so zurück gebaut, wie er auch errichtet wurde. Es handele sich um drei separate Gebäude. Die beiden Seitenbauten waren parallel hochgezogen und der Mittelteil zum Schluss dazwischen gesetzt worden. Das Ende des Abrissszenarios werden acht Treppenhauskerne bilden, die "dann per Betonzange abgekniffen werden", erläutert der Fachmann. Insgesamt sei der Palast ein technisch hochinteressantes Gebäude. Viele Touristen nutzen die "Palast-Schaustelle" und sehen sich das Geschehen von einer Aussichtsplattform aus an. Auch fotografiert wird die ungewöhnliche Baustelle gern.

Abriss wird teurer

Der Abriss, der ursprünglich zu Ostern 2007 beendet sei sollte, wird jedoch aufgrund zusätzlicher Asbestfunde erheblich teurer. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung komme zu der Aufstockung von neun Millionen Euro jetzt noch eine in Höhe von fünf Millionen Euro hinzu, so dass der Abriss einschließlich der dann anzulegenden Grünfläche insgesamt 26 Millionen Euro koste.

Das Asbest sitzt unter den Betonplatten, sagt Möller. Offenbar sei der Palast damals unter hohem Termindruck entstanden, so dass die Montage der Platten und das Arbeiten mit Spritzasbest vermutlich parallel verliefen. Angesichts dieser Funde mussten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, welche die Arbeitsabläufe ungeheuer komplizieren.

Vier-Millionen-Erlös durch alten Stahl?

Positiv zu Buche schlagen könnte jedoch angesichts hoher Altstahlpreise der Verkauf der 20.000 Tonnen Stahl. Seit dem vergangenen Jahr ist der Preis nach Schätzungen des Projektleiters um etwa 25 Prozent gestiegen. Wenn dies so bleibe könne durch den Verkauf ein Erlös von rund vier Millionen Euro erzielt werden.

Die getönten Fensterscheiben sind jetzt bis auf wenige Ausnahmen abgebaut. Insgesamt seien es über 3500 zwischen 30 und 300 Kilogramm schwere Teile gewesen, wovon jedoch viele bei der Demontage zersprangen, sagt Möller. Für die intakten Fenster gab es großes Interesse - vor allem von Museen und Künstlern.

Sandeinspülung abgeschlossen

Abgeschlossen ist auch die Sandeinspülung in die Kellergeschosse des Gebäudes. Dazu wurde Sand mit Schiffen angefahren und dann mit Spreewasser vermischt. Mittels Pumpen gelangte das Gemisch in die schwarze Betonwanne, auf der das Gebäude steht. Dabei diente das Wasser jedoch nur als Transportmittel für den Sand und wurde später wieder ausgepumpt, erläutert Möller. Mit diesem Verfahren bliebe die Betonwanne intakt und könne bei Bedarf als Fundament oder auch nach der Entfernung des Sandes als Keller genutzt werden. Insgesamt stabilisieren 160.000 Tonnen Sand die 190 Meter lange und 90 Meter breite Wanne, so dass auch die Statik der umliegenden Gebäude wie dem Berliner Dom nicht gefährdet ist.

Der 1976 eröffnete Palast der Republik wurde 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen. Zunächst ist auf der Fläche nach dem Abriss eine Grünanlage geplant. Aus einem Wettbewerb ging ein Entwurf als Sieger hervor, der eine Rasenfläche durch Holzstege gliedert. Später soll dort ein Neubau in der Kubatur des vom SED-Regime gesprengten Stadtschlosses entstehen. Zeitplan und Finanzierung des Projekts sind jedoch noch offen. (Von Marion Schierz, ddp)

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