Berlin : Palast der Republik: Der Abriss droht

Holger Wild

Es sieht schlecht aus für den Palast der Republik. Sollte die Schlossplatzkommission ihre Meinung nicht noch einmal grundstürzend ändern, dann wird sie Ende des Jahres seinen Abriss empfehlen. "Wenn wir den Schlüter-Hof des Stadtschlosses wiedererrichten wollen, kann vom Palast nur noch ein Rest übrig bleiben", sagte Hannes Swoboda am Freitag. Der Vorsitzende der Expertenkommission, die sich mit der Zukunft des Schlossplatzes beschäftigt, berichtete in einer Zwischenbilanz, dass die Mehrheit der Kommissionsmitglieder gegenwärtig für den Bau eines Gebäudes stimmen würde, das sich "in Grundriss und Umriss am früheren Schloss orientiert.

Den Wiederaufbau des Schlosses als Kopie werde es aber mit Sicherheit nicht geben. Das lässt schon die Nutzung des Gebäudes nicht zu, die die 17 Kommissionsmitglieder im Auge haben: Die außereuropäischen Sammlungen des Preußischen Kulturbesitzes, die Sammlung der Humboldt-Universität und die große Berliner Landesbibliothek sollen hier ihren Ort finden. Zur Architektur des "Schlosses" sagte Swoboda, der Wiederaufbau von Teilen der Fassade sei ebenso möglich wie der des Schlüter-Hofs, der vielen Kommissionsmitgliedern besonders wichtig sei. "Es muss ein Gebäude erfunden werden, das faszinierend ist. Ein Gebäude eigenen Typs."

Diese vorsichtigen Tendenzen nun binnen fünf Monaten zu einer überzeugenden Lösung für den Schlossplatz fortzuentwickeln, bleibt indes ein ehrgeiziges Vorhaben. Das "Schloss der Weisen" ist in zehn Jahren hitziger Debatte nicht gefunden worden - trotz einer Vielzahl architektonischer und städtebaulicher Vorschläge, die jetzt noch einmal zu einer Ausstellung im Staatsratsgebäude zusammengestellt wurden. Und diese "Ideen und Entwürfe 1991 - 2001" machen erneut das ganze Ausmaß des Problems augenfällig, den Schlossplatz ästhetisch und historisch angemessen zu gestalten: Fast alle, die sich daran versucht haben, sind gescheitert.

Die ersten privaten Überlegungen und Studien bis 1993 gingen meist noch von einer Erhaltung des Palastes der Republik aus und ergänzten ihn um Gebäude auf dem Grundriss des Schlosses. Der große städtebauliche Wettbewerb für ein Regierungsviertel auf der Spreeinsel von 1993 wiederum machte dann den Abriss der Palastes zur verbindlichen Vorgabe. Die Ausstellung zeigt die fünf preisgekrönten Arbeiten und die sieben Ankäufe - die allesamt obsolet wurden, als die Bundesregierung beschloss, für ihre Ministerien überwiegend Altbauten zu nutzen.

Gezeigt werden auch Entwürfe aus dem Tagesspiegel-Ideenwettbewerb von 1996, neueste Überlegungen aus wiederum privatem Antrieb und erstmalig die architektonischen Vorstellungen der Investoren aus dem "Interessenbekundungsverfahren" 1997 - über deren Nicht-Verwirklichung man wirklich froh sein muss.

Deutlich wird in dieser Ausstellung vor allem eins: Die Kombination zwischen Teilen des Palasts der Republik und Teilen eines wiederaufgebauten Schlosses schafft mehr Probleme, als sie sie löst. Es scheint nur zwei Möglichkeiten zu geben: ein Gebäude in der Kubatur des Schlosses - oder eine vollkommene Neugestaltung in ganz anderer Richtung.

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