Berlin : Palast der Republik: Ein Skelett hat Jubiläum

"Erichs Lampenladen" hat Jubiläum - 25 Jahre wird der Palast der Republik auf dem Schlossplatz am kommenden Montag alt. Am 23. April 1976 wurde der DDR-Prestigebau eröffnet, doch sein jetziger Anblick ist alles andere als erfreulich: Er steht als Skelett da, nachdem der Asbest in seinen Mauern bereits zu 80 Prozent entfernt wurde. Ohnehin ist der ehemalige Palast der Republik schon seit zehn Jahren ungenutzt, denn am 19. September 1990 hatten die Abgeordneten der letzten DDR-Volkskammer fluchtartig seine asbestverseuchten Räume verlassen. Ebenso lange wird über seine Zukunft debattiert - bislang ohne Ergebnis.

Der 180 Meter lange Koloss am Spreeufer gehört zu den umstrittensten Bauten im wiedervereinigten Deutschland. Einst war er Mittelpunkt des Ost-Berliner Kulturlebens mit 70 Millionen Besuchern pro Jahr. Nach der Wende wurde eiligst sein Abriss beschlossen, "um Gesundheitsgefahren auszuschließen". Dann folgte 1994 ein Ideenwettbewerb für die Spreeinsel. Sieger Bernd Niehbur schlug ein Stadthaus in der Kubatur des Stadtschlosses mit den Funktionen des Palastes vor. Damit würde ein Klotz durch den anderen ersetzt, sagten Kritiker. Unterdessen mehrten sich die Stimmen für eine Asbestsanierung, so dass die Niebuhr-Pläne wieder über den Haufen geworfen wurden.

Doch zugleich prallten die Schloss-Freunde, die den 1950 gesprengten Hohenzollern-Bau auf dem Schlossplatz wiederaufbauen wollten, und die Palast-Anhänger, die das einstige "Haus des Volkes" erhalten möchten, aufeinander. Andere können sich eine dritte Variante, die weder Schloss noch Palast vorsieht, vorstellen.

Seit 1998 wird der Palast der Republik in Mitte von 720 Tonnen Asbest befreit. Mitte 2002 soll der Bau sauber sein - ein Jahr später als ursprünglich geplant. Unterdessen brütet eine internationale Expertenkommission über der Zukunft des geschichtsträchtigen Areals.

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