Berlin : Palast der Republik hat einen neuen Mieter

Museumspädagogischer Dienst soll Kulturprogramm bis zum Abriss übernehmen – Ausstellung zur Geschichte des Hauses geplant

Matthias Oloew

Der Museumspädagogische Dienst (MD) wird neuer Generalmieter im Palast der Republik. Das bestätigte eine Sprecherin der Senatskulturverwaltung dem Tagesspiegel. Kultursenator Thomas Flierl (PDS) und Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) haben sich damit auf die Nachfolge für die Macher des „Volkspalast“-Projekts verständigt, das noch bis 9. November in der Ruine läuft.

Der neue Mietvertrag ist noch nicht unterzeichnet. Über Einzelheiten wollen Bundesvermögensamt, Senat und MD am 29. Oktober verhandeln. Bereits am 25. Oktober soll der MD zusammen mit dem Programmbeirat und dem Palast-Kuratorium über die künftige Nutzung der Ruine beraten. Eine Festlegung über das künftige Programm gebe es noch nicht, heißt es weiter aus der Flierl-Verwaltung. Möglich sei auch, dass die Macher desVolkspalasts mit einzelnen Veranstaltungen künftig Untermieter des Museumspädagogischen Dienstes werden. „Ich glaube nicht, dass es bei dieser Konstruktion um eine politische Kontrolle über künstlerische Projekte geht“, erklärte die künstlerische Leiterin des „Volkspalasts“, Amelie Deuflhard. Sie kann sich eine Zusammenarbeit mit dem Museumspädagogischen Dienst vorstellen, „solange wir beim Programmmachen mitreden“.

Der Museumspädagogische Dienst ist eine Einrichtung des Landes, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, bei einem breitem Publikum Interesse für die Museen der Stadt zu wecken. Der MD organisiert unter anderem die Lange Nacht der Museen. Im Palast der Republik soll der Dienst weniger eigene Aktionen ausrichten, als die Veranstaltungen anderer koordinieren. Wie berichtet, soll die Ruine bis zum geplanten Abriss im Sommer 2005 kulturell genutzt werden.

Geplant ist eine Ausstellung zur Geschichte des Palasts. Sie soll das leisten, was die Kulturstaatsministerin Weiss beim bisherigen Programm vermisst hat – eine kritische Auseinandersetzung mit dem Bau. „Es geht nicht darum, den Palast pauschal zu verdammen“, erklärte sie, „aber ebenso wenig taugt er für rührselige Ostalgie-Shows. Eine Ausstellung könnte aufklären und viel über die Herrschaftsmethoden und die Selbstwahrnehmung der DDR erzählen.“ Außerdem solle die Schau über die Perspektiven des geplanten Neubaus informieren.

Das Deutsche Historische Museum soll die Ausstellung vorbereiten. Dessen Chef Hans Ottomeyer bestätigt die Pläne, die in einem sehr frühen Stadium seien. Er mahnt, eine solche Ausstellung dürfe kein Schnellschuss werden: „Es dürfen uns keine Flüchtigkeitsfehler, wie bei der Wehrmachtsausstellung passieren“, so Ottomeyer, „wo Bilder falschen Texten zugeordnet wurden.“

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