Berlin : Palast der Republik soll zur Bohrinsel werden

Initiative für Zwischennutzung ist gegen frühen Abriss. Sie plant ein 1000-Tage-Kulturprogramm und will das Haus dafür herrichten – mit ungewöhnlichem Brandschutz

Christian van Lessen

Palast-Abriss Anfang 2005, wie vom Bundestag beschlossen? Die Initiative Zwischenpalastnutzung hält davon nichts. Gestern legte sie, unterstützt von Regisseur Volker Schlöndorff und Staatsoper-Intendant Peter Mussbach, ein 1000-Tage-Kultprogramm für den Palast der Republik vor. Für den nötigen Brandschutz könnten Löschkanonen wie auf einer Bohrinsel eingesetzt werden.

Schlöndorff findet es „hirnrissig“, ein Gebäude abzureißen, bevor der Entwurf für ein neues vorliegt. Der Regisseur will im Palast mit der „unglaublichen Akustik“ Fidelio inszenieren, auch Udo Lindenberg und David Bowie wollen mitmachen, die Staatsoper ohnehin. Jedes Programm darf dem Konzept zufolge nicht kürzer als zehn Minuten, nicht länger als zehn Tage dauern. Das Projekt „1000 Tage“ solle modellhaft „zivilbürgerliches“ Engagement zeigen, sagte Amelie Deuflhardt, die Vorsitzende der Initiative. Sie will das Projekt organisieren, private Sponsoren sollen die Mittel zur Verfügung stellen, aber keinen Einfluss auf das Programm haben. Jeder Programmtag werde 5000 Euro kosten, „ein kommerzieller Missbrauch des Ortes kommt nicht in Frage“. Dem Bund wolle man anbieten, das Gebäude „kostenfrei“ zu übernehmen, es für Veranstaltungen herzurichten und ein „Programm mit internationalen Akteuren zu initiieren“.

Das 1000-Tage-Projekt solle im Mai beginnen. Die Erfahrungen aus dem vergangenen Sommer mit Führungen und Konzerten zeigten, dass für die Veranstaltungen im Foyer des Hauses kein größerer Umbau erforderlich sei. Nach Auskunft der Initiative arbeitet die Technische Hochschule Berlin an einem Konzept, das noch in diesem Jahr dem Bezirksamt vorgelegt werden soll. Danach kann der asbestbefreite Palast-Rohbau über vier äußerliche Nottreppenhäuser aus Gerüstteilen erschlossen werden. Den Brandschutz soll eine mobile Sprühanlage, wie von Bohrinseln bekannt, gewährleisten. Die genauen Kosten für die Herrichtung des Hauses, bislang ist von mindestens 1,5 Millionen Euro die Rede, müssten noch ermittelt werden, hieß es. Mit Sponsoren könne man nicht verhandeln, weil es dafür noch kein Mandat des Bundes gebe. Nun müsse sich die Kulturpolitik einmischen. Bis zum Jahresende sollte es „klare politische Vorgaben“ an das Finanzministerium und die Bundesvermögensverwaltung geben. Sie seien verpflichtet, das Gebäude wirtschaftlich optimal zu verwerten. Helmut John von der Bundesvermögensverwaltung teilte mit, es habe vor wenigen Tagen bereits Gespräche mit der Initiative gegeben. Der Bund dürfe sein Vermögen nicht einer Initiative „als Spielwiese überlassen“. Ohne öffentliches Bieterverfahren für die Zwischennutzung könnten auch andere Interessenten, beispielsweise Fernsehsender, Ansprüche stellen. Bei einem Programm, wie es die Initiative wünsche, müsste der Bund auch für jede einzelne Veranstaltung gesonderte Nutzungsverträge abschließen. Außerdem bestehe trotz gegenteiliger Beteuerungen die Gefahr, dass der Palast kommerziellen Zwecken dient. John bestätigte Angaben der Initiative, dass der Bund selbst eine kommerzielle Nutzung des Palastes, zumindest seiner Fassade plant.

Beim Bezirksamt sei für Werbeflächen an der Seite zum Schloßplatz eine Baugenehmigung beantragt worden. Die Bezirksbehörde habe bereits durchblicken lassen, dass sie nur Werbung für Kulturveranstaltungen im Palast der Republik akzeptieren wolle. John kündigte an, dass der Bund klagen wird, wenn die von ihm gewünschte kommerzielle Werbung nicht genehmigt wird.

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