Pandas im Museum : Berliner Bärenlese

Von Bao Bao zu Yan Yan: Eine Ausstellung im Naturkundemuseum feiert die toten Pandas der Stadt - eine wechselhafte Geschichte voller Höhen und Tiefen.

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Der präparierte Pandabär Yan Yan sitzt im Naturkundemuseum in einer Vitrine.
Der präparierte Pandabär Yan Yan sitzt im Naturkundemuseum in einer Vitrine.Foto: dpa

Sagt man über einen Menschen, dass er einem ein Ohr abgekaut habe, so ist das, von kannibalistisch veranlagten Exemplaren abgesehen, nicht wörtlich gemeint. Aber Pandas sind eben keine Menschen, auch wenn manch einer sie fast knuddeliger als kleine Kinder findet. Und so muss hier leider daran erinnert werden, dass die erste Begegnung zwischen den legendären Schwarzweiß- Berlinern Bao Bao und Yan Yan, vor ziemlich genau 20 Jahren, überaus rabiat verlief. Bao Bao, das war der seit dem Dahinscheiden seiner Artgenossin Tjen Tjen im Jahre 1984 unbeweibte Pandamann, dem nun eine neue Käfiggefährtin zugeführt werden sollte zwecks erhoffter Vermehrung. Doch als Yan Yan gleich zur Eröffnung der Beziehung mit ihren 42 Beißerchen zuschnappte, war das eindeutig kein Liebesbeweis, sondern ein Zeichen von ausgesprochen schlechter Laune, der ein halbes Pandaohr zum Opfer fiel.

Die beiden wurden auch danach kein Paar, sind nun zumindest im Tode vereint – für gut sechs Monate. Im Museum für Naturkunde wurde am Montagabend durch den neuen Regierenden Bürgermeister Michael Müller eine bis zum 31. Juli dauernde Sonderschau mit dem einprägsamen Namen „Panda“ eröffnet, die ans Berliner Panda-Wesen („Tier mit diplomatischer Rolle“) vor allem die beiden Protagonisten Bao Bao und Yan Yan erinnert. Nach ihrem Dahinscheiden wurde die rabiate Dame erst mal auf Eis gelegt, jetzt aber aufgetaut und zur Dermoplastik verwandelt, die nach der Ausstellung nach China geht. So war es vereinbart, Yan Yan war nur eine Leihgabe auf Zeit.

An Bao Bao war die Kunst hiesiger Tierpräparatoren schon bewiesen worden, auch er wurde zur Dermoplastik, kann nun zwar nicht mehr wie einst mit Yan Yan schaulaufen, -fressen, -schlafen, aber zumindest schaustehen. Auch die Skelette der Tiere hat man in der Schau aufgebaut, und selbst ihre Exkremente hielt man für ausstellungswert, dazu gibt es weitere Präparate und Sammlungsmaterial aus Berlin und Paris – ein Projekt von Naturkundemuseum, Zoo, WWF und dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

Berlin und Pandas – eine wechselhafte Geschichte voller Höhen und Tiefen, aufkeimender und wieder erlöschender Hoffnungen, von denen zuletzt nur noch drei ausgestopfte Bärenfelle und andere Überreste übrigblieben. Sie begann Anfang November 1980, als Bao Bao und Tjen Tjen aus Peking kommend über Frankfurt in West-Berlin eintrafen – ein Geschenk des chinesischen Staats- und Parteichefs Hua Guofeng an Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der kam eigens samt Loki zur offiziellen Vorstellung aus Bonn angereist, was mehr als angemessen war, schließlich galt das Doppelpräsent als kleine Sensation. Mit ihren Pandabären waren die Chinesen knauserig: Die Viecher sind selten.

Die Bären waren bald Stars und zierten die Werbeaufkleber der Stadt, die damals den Aufdruck „Berlin tut gut“ trugen. Für das Weibchen traf das auf lange Sicht allerdings nicht zu: Eine Magen-Darm-Infektion streckte Tjen Tjen 1984 nieder, und alle Versuche, sie wieder aufzupäppeln, scheiterten. Auch sie wurde damals ausgestopft, was schon deswegen eine handwerkliche Herausforderung war, weil bei der Behandlung einige Stellen des Fells rasiert worden waren. Die Bärin mutierte notgedrungen zum Flickenteppich.

Bao Bao hatte sich bis dahin schon als recht rabiat erwiesen und 1982 einen allzu vorwitzigen Fotografen gebissen. Auch fiel er, 1991 an den Londoner Zoo zwecks Befruchtung der Bärin Ming Ming ausgeliehen, derart rabiat über sie her, dass die beiden mit einem Feuerlöscher getrennt werden mussten. Nachwuchs? Fehlanzeige. Und das ging leider so weiter, als 1995 Yan Yan nach Berlin kam, ein Verhandlungserfolg des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, der die Bärin persönlich nach Berlin begleitete. Das Interesse der Medien und des Publikums – eine Vorwegnahme des Rummels um Eisbär Knut – war riesig, das Interesse der Bären aneinander aber gering bis nicht vorhanden. Nichts half: Keine Hormonpräparate, kein PandaPorno, keine mehrfach versuchte künstliche Befruchtung. Ohnehin ist der Zeitraum, in dem Pandafrauen empfängnisbereit sind, denkbar knapp bemessen.

2007 das endgültige Aus: Yan Yan lag eines Tages tot im Gehege – gestorben an den Folgen einer Darmverstopfung. 2012 folgte Bao Bao ihr in den Bärenhimmel, niedergestreckt durch Hodentumore und eine Nierenentzündung, dazu in sehr fortgeschrittenem Alter. Im Stillen bemüht sich der Zoo seit einiger Zeit um Ersatz, man muss abwarten. Doch ohne neue artgerechte Pandaanlage möchte Zoochef Andreas Knieriem keine Bambusgourmets zur Schau stellen. Dann aber gerne.

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