Pandemie : Auf der Abi-Fahrt mit Schweinegrippe angesteckt

An nur einem Tag gab es in Berlin fünf neue Fälle von H1N1-Infektion. Unternehmen und Verwaltung bereiten Notfallpläne vor und bestellen Schutzmasken.

Udo Badelt,Sigrid Kneist

Die Zahl der Fälle von Schweinegrippe in Berlin ist innerhalb von 24 Stunden um fünf auf 33 gestiegen. Positiv getestet wurden laut Senatsgesundheitsverwaltung ein 15-jähriger Austauschschüler, der aus England zurückgekehrt ist, sowie zwei Abiturienten der Wilma-Rudolph-Oberschule in Steglitz-Zehlendorf, die sich auf einer Abi-Fahrt im spanischen Lloret de Mar an der katalanischen Küste aufgehalten hatten. Wie ein Teilnehmer berichtet, bestand die Gruppe aus rund 70 Schülern, von denen 30 nach der Rückkehr über Grippebeschwerden wie Schnupfen und Husten geklagt hatten. Nur zwei wurden positiv auf Schweinegrippe getestet.

Bereits am Dienstag kamen zwei Schülerinnen, die aus zwei verschiedenen Klassen stammen, mit dem H1N1-Virus aus Lloret de Mar zurück. Spanien liegt bei der Schweinegrippe mit 1034 Fällen (Stand: 14. 7.) europaweit an zweiter Stelle nach England (9718 Fälle). „Wir raten nicht von Reisen nach Spanien ab, aber die Jugendlichen sollten besonders vorsichtig sein und Hygienemaßnahmen einhalten“, sagt Regina Kneiding von der Gesundheitsverwaltung. Ähnlich äußert sich das Auswärtige Amt.

Unterdessen rüsten sich Unternehmen und Verwaltungen im Kampf gegen die Grippe und arbeiten ihre Pandemiepläne aus. Laut Kneiding sind Unternehmen verpflichtet, sich um den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter zu kümmern. Das ITDZ, der zentrale IT-Dienstleister des Landes Berlin, der auch die Behördennummer 115 betreut, hat beispielsweise sein Gebäude mit 65 Desinfektionsgeräten ausgestattet. Zwei der Apparate hängen im Eingangsbereich und am Aufzug, die anderen auf den Toiletten. Die Geräte funktionieren berührungslos über einen Sensor. Bislang ist es den 450 Beschäftigten freigestellt, ob sie die Hände desinfizieren, sagt Sprecherin Katrin Dirksen. Im Ernstfall kann dieses aber vorgeschrieben werden. „Außerdem werden Handläufe und Türklinken täglich mit Desinfektionsmitteln gereinigt“, sagt Dirksen.

Die BVG hat nach Angaben von Pressesprecherin Petra Reetz für ihre 12 000 Mitarbeiter einen Sechs-Wochen-Vorrat an Atemschutzmasken, Desinfektionsmitteln und Handschuhen besorgt. Außerdem tage regelmäßig der Krisenstab. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, die Fahrer im Ernstfall besser vor einer Ansteckung zu schützen. Denkbar sei beispielsweise, dass beim Bus nur noch in der Mitte eingestiegen werden kann, um die Fahrer so vor Kontakten mit den Fahrgästen zu schützen. „Ein Busfahrer kann nicht die ganze Zeit mit Schutzmaske fahren“, sagt Reetz.

Bei der Polizei hat man bereits 100 000 Schutzmasken, 60 000 Handschuhe und 20 000 Fläschchen mit Desinfektionsmitteln angeschafft und auf die Dienststellen verteilt. Weitere 100 000 Masken und 60 000 Handschuhe wurden bestellt.

Bei der Post sieht man sich ebenfalls „gut gewappnet“, sagt Unternehmenssprecherin Anke Baumann und verweist auf die Notfallpläne. Auch bei Siemens – mit knapp 13 000 Beschäftigten größter Industriearbeitgeber Berlins – hat man entsprechend den Regelungen der Weltgesundheitsorganisation Vorsorge getroffen. Beim Krankenhauskonzern Vivantes liegen derzeit die Schwerpunkte in der strikten Einhaltung der Hygieneverordnungen und der Schulung des Personals im Umgang mit Patienten mit einer unbestätigten Krankheit. Im Frühjahr gab es nach Angaben von Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer dazu spezielle Kurse.

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