Berlin : Panik in der Post

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VON TAG ZU TAG

Ariane Bemmer wünscht

sich die Würmer wieder unter der Erde

Hilfe, der Wurm war da, auf Abermillionen Computern, hat sich durch E-Mail-Adressenlisten gefressen, in Windows eingenistet, Hintertüren geöffnet, neue Befehle hereingeholt, so dass am Sonntag ohne weiteres menschliches Zutun die Internetseite einer US-Firma durch Anfragen lahm gelegt wurde. Ein Wunder? Natürlich nicht. Ein paar Menschen gibt es hier und da, die verstehen, wie so was geht. Wir anderen alle, die wir artig alle Mails öffnen, wie wir auch Werbepost erst lesen, bevor wir sie wegwerfen – wir alle sind ein Risiko geworden. Für die ganze Welt. Wer weiß schon, was passiert, wenn wir am heutigen Montagmorgen durch unsere E-Mail-Eingangslisten klicken? Wir müssen lernen, uns vor uns selbst zu schützen. Wir hören von Fire Walls, Trojanischen Pferden, IRC-Botnet und verstehen nichts, dürfen Mails, deren Absender wir nicht kennen, nicht mehr anklicken. Wir sind verunsichert. Was, wenn das nächste Mal „I love you“ in der Betreffzeile steht und wir auf Löschen drücken, weil wir an die 10-Milliarden-Dollar-teure Virus-Attacke von 2000 denken – und deshalb niemals geheiratet werden? Was, wenn der Wurm sich nicht unter fremdem Namen einschleicht, sondern den von Freunden benutzt? Sollten wir aufs E-Mailen vielleicht ganz verzichten? Briefe schreiben – und auf der Landkarte nachvollziehen, wie die im Schneckentempo zu den Adressen gelangen? Zurück in die Zeit, als Würmer unter Blumen lebten – und sich vor uns fürchteten?

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