Pankower Moscheestreit : Ahmadiyya-Gemeinde geht auf Nachbarn zu

Nach langem Streit eröffnete vergangenen Monat in Pankow die erste repräsentative Moschee Ostdeutschlands. Jetzt lädt der Imam die Berliner erstmals ein, sein Gotteshaus zu besuchen. Bei den "Tagen der offenen Moschee" soll es keine Tabus geben, sagt er.

Lars von Törne
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Offenes Haus. Die Moscheegemeinde lädt Berliner zum Besuch in ihre Moschee an der Pankower Tiniusstraße.Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinManche Nachbarn machen aus ihrer Ablehnung weiterhin keinen Hehl, andere haben dem Imam und seiner Gemeinde zur Begrüßung freundliche Karten und Briefe geschickt. Knapp vier Wochen nach ihrer Eröffnung bewegt die neue Moschee der muslimischen Ahmadiyya- Gemeinde in Heinersdorf weiterhin die Gemüter in dem Pankower Ortsteil.

Jetzt will die Moscheegemeinde, die nach eigenen Angaben in Berlin rund 200 über die Stadt verteilt lebende Mitglieder hat, auf die Nachbarn ihres Gotteshauses zugehen. Am Sonnabend dem 29. und Sonntag dem 30. November laden Imam Abdul Basit Tariq und seine Gemeindemitglieder zu zwei „Tagen der offenen Moschee“ in die Tiniusstraße. Das Angebot richte sich vor allem an die Bewohner Pankow-Heinersdorfs, aber auch an alle anderen interessierten Berliner – sofern sie „mit friedlichen Absichten“ kommen, wie der Imam am Dienstag sagte.

Neben Protest gab es Willkommensgrüße für die neuen Nachbarn

Nachdem es jahrelang Streit um den geplanten Kuppelbau mit dem zwölf Meter hohen Minarett gegeben hatte, sei es seit der Eröffnung Mitte Oktober ruhig geblieben, sagte der Imam. Einige Nachbarn hätten ihm nach der feierlichen Eröffnung Briefe geschickt und geschrieben, sie würden die Moschee gerne einmal besuchen. Ein Frau schrieb laut Tariq, dass es schön sei, im Viertel eine andere Kultur zu sehen. Das mache das Leben „bunter und schöner“.

Auch kritische Fragen wollen der Imam und seine Gemeindemitglieder beantworten

Am Wochenende der offenen Tür wollen sich Tariq und seine Glaubensbrüder und -schwestern aber auch der Kritik stellen. „Die Besucher können jede Ecke der Moschee besichtigen und jede Frage stellen – es gibt kein Tabu“, kündigt der Imam an. „Kompetente Frauen und Männer“ aus seiner Gemeinde würden den Besuchern Rede und Antwort stehen.

Offen ist, ob auch die organisierten Gegner der Moschee einen Blick in den Neubau werfen werden. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen die Moschee (Ipahb), Joachim Swietlik, hatte dazu anlässlich der Eröffnung gesagt: „Ich kann es nicht grundsätzlich ausschließen.“ Die Ipahb sieht die Ahmadiyya-Gemeinde als „ultra-orthodoxe, frauenfeindliche und totalitäre Organisation“ an und will deswegen weiter gegen sie vorgehen. Nach Ansicht von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) ist die Gemeinde zwar strenggläubig, jedoch „keine extremistische Organisation“.

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