Berlin : Pankows peinliche Pannen

Fehlende Wahlhelfer, keine Lust: Erst am Montagmittag trafen die letzten Ergebnisse aus dem größten Wahlbezirk ein

Sandra Dassler

Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás war sauer. Erst gegen Mittag trafen gestern die letzten Ergebnisse aus Pankow bei ihm ein: Erststimmen aus elf Wahllokalen, Zweitstimmen aus einem Wahllokal, die Ergebnisse für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung aus 14 und die der Volksabstimmung aus fünf Stimmbezirken.

„Es ist nicht das erste Mal, dass es Probleme in Pankow gibt“, ärgerte sich von Puskás. Auch bei der Bundestagswahl seien die Ergebnisse sehr spät gekommen. „In Pankow gehen die Uhren schon immer anders, aber diesmal war es dramatisch“, sagte von Puskás. Gegen zwei Uhr morgens in der Wahlnacht hatte er die fehlenden Ergebnisse durch eine Schätzung des Statistischen Landesamtes ersetzt. Zum Glück habe sich die Schätzung als zutreffend erwiesen. Ärgerlich sei gewesen, dass durch die fehlenden Ergebnisse lange unklar war, ob CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger über ein Ausgleichsmandat ins Parlament einziehen würde. Pflüger musste 20 Stunden bangen.

Matthias Köhne, den für die organisatorische Vorbereitung der Wahl zuständigen SPD-Stadtrat von Pankow, störte das gestern offenbar wenig: „Es gibt in anderen Bezirken auch immer mal Pannen“, sagte er. Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann war empört: „Der Mann will Bezirksbürgermeister werden und kann nicht einmal eine Wahl organisieren.“

Was eigentlich passiert war, schilderte Pankows Wahlleiterin Christine Ruflett wie folgt: Man habe zu wenige freiwillige Wahlhelfer gehabt und deshalb viele Leute zwangsverpflichten müssen.Von denen hätten sich in der Woche vor der Wahl einige krankgemeldet. Diese Lücken habe man noch füllen können, aber nicht jene, die erst am Wahlsonntag entstanden. „Da sind in einigen Wahllokalen weder Wahlleiter noch Schriftführer erschienen“, sagt sie. „Also jene, die speziell geschult wurden.“ Man habe dann stellvertretende Wahlleiter aus benachbarten Wahllokalen geholt, aber offenbar wussten einige Wahlvorstände nicht, dass sie nach der Auszählung nicht nur das Schnellmeldungsformular ausfüllen, sondern die Meldung auch telefonisch durchgeben sollten. Oder sie hätten keine Lust mehr gehabt. Und seien einfach nach Hause gegangen.

Für Landeswahlleiter von Puskás sind das faule Ausreden: „Den Ehrenamtlichen kann man keine Vorwürfe machen“, sagte er. „Aber in den Bezirksämtern muss man doch zusätzliche Sicherungen einbauen. Auch wenn Pankow der größte Wahlbezirk ist: Das war peinlich und einfach schlampig organisiert.“

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