Berlin : Pankstraße: Ein Toter bei Schießerei

Werner Schmidt

Ein Toter, ein Schwer- und ein Leichtverletzter sind die blutige Bilanz einer nächtlichen Schießerei auf der Pankstraße in Wedding. Die ersten Schüsse fielen gegen 2.50 Uhr gestern früh und galten dem Wirt des Cafés "Target" an der Ecke Reinickendorfer Straße. Dieser brach tödlich getroffen auf der Straße zusammen. Zuvor hatte er jedoch mit seiner eigenen Waffe auf die beiden Angreifer gefeuert. Dabei traf er den 32-jährigen Veliko V. in den Bauch und verletzte dessen Komplizen leicht.

Täter wie Opfer stammen aus dem früheren Jugoslawien, vermutlich aus Serbien. Die beiden Verletzten wurden festgenommen. Das Motiv für den Angriff auf den Gastwirt lag gestern noch weitgehend im Dunkeln. Nach Auskunft von Polizei und Staatsanwaltschaft waren alle Beteiligten der Polizei bereits zuvor bekannt. Einzelheiten wurden jedoch nicht genannt. Die Spurensuche der Polizei dauerte bis zum Vormittag. Die Pankstraße war von etwa 3 Uhr bis gegen 9 Uhr gesperrt.

Nach ersten Ermittlungen hatten die beiden Schützen das Café Target bereits gegen 2.30 Uhr aufgesucht. Sie sprachen mit dem 30-jährigen Wirt Dako Z.; es kam zum wortreichen Streit zwischen den drei Männern. Die beiden späteren Schützen verließen daraufhin das Lokal, dann warteten sie offenbar, bis das Lokal geschlossen wurde. Nach und nach verließen die Gäste das Café. Als der Wirt gegen 2.50 Uhr abschloss, fielen die Schüsse. Das Opfer schien aber auf gewalttätige Auseinandersetzungen vorbereitet zu sein. Denn nach den Ermittlungen der Polizei zog Dako Z. seinerseits eine Waffe und feuerte zurück. Er traf einen der Angreifer, Valiko V. in den Bauch. Auch den zweiten Angreifer verletzte der 30-Jährige durch einen Schuss. Dieser habe aber lediglich leichte Verletzungen erlitten, sagte Justizsprecher Sascha Daue. Der Täter wurde gestern vernommen, zunächst von der Mordkommission, später übernahm die Arbeitsgruppe Jugoslawen im Referat für Organisierte Kriminalität die Ermittlungen.

In unmittelbarer Umgebung das Tatortes will zu dieser frühen Morgenstunde keiner von der Schießerei "so richtig was mitbekommen" haben. In einer Kneipe an der Pankstraße, wo am Vormittag bei der Lektüre der Morgenzeitung nicht das erste Bier verkostet wird, will man jedoch wissen, dass sich in dem Lokal die "jugoslawische Halbwelt" getroffen habe. Immer donnerstags abends sei dort Versammlung gewesen. So gegen 20 Uhr seien die "Daimler, BMW und Jaguare" am Straßenrand geparkt worden, berichtete einer der Kneipengäste. Andere nicken zustimmend. Ein angeblich von Jugoslawen betriebenes Bordell befinde sich ebenfalls in der Nachbarschaft.

Es blühen die Gerüchte und nähren die Vorurteile. Vor einigen Jahren, als der Krieg auf dem Balkan noch im Gange war, so berichtet der Kneipengast, sei er von Serben angesprochen worden, er möge doch alte Medikamente vorbeibringen. Ein anderes Mal wollten sie sein Auto kaufen: "Natürlich für billich."

Kämpfe zwischen rivalisierenden Banden aus dem früheren Jugoslawien forderten in den vergangenen Jahren in Berlin mehrere Menschenleben. So wurde zum Beispiel im Dezember 1994 im Café "Malibu" an der Uhlandstraße ein 25-jähriger Kroate erschossen und ein zweiter schwer verletzt. Hintergrund damals war entweder ein konfessioneller Streit mit Moslems oder eine Auseinandersetzung unter Hütchenspielern.

Kriminelle aus dem früheren Jugoslawien sind nach Angaben der Polizei in fast jedes Verbrechen verstrickt, das das Strafgesetzbuch hergibt: Diebstahl, Einbruch, Hehlerei, Waffen- und Rauschgifthandel und -schmuggel, Zuhälterei, Menschenschmuggel, Fälschung von Dokumenten. Schon vor rund sechs Jahren warnten Sicherheitsexperten, dass die Organisierte Kriminalität von Banden aus dem ehemaligen Jugoslawien auf dem Vormarsch sei. Dabei wurde auch festgestellt, dass viele blutige Auseinandersetzungen nicht selten religiös motiviert seien. Im konkreten Fall gibt es bisher aber nur Spekulationen und Vermutungen, über die sich Polizei und Staatsanwaltschaft gestern noch ausschwiegen.

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