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Pannen bei Schülerbeförderung : Eltern beklagen Chaos bei Fahrdienst für behinderte Kinder

Schulleiter und Eltern sprechen von einem Chaos: In Charlottenburg-Wilmersdorf hat ein neu beauftragtes Busunternehmen große Probleme damit, 157 behinderte Kinder zu Schulen zu fahren.

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Schlechter Start. Die neue Schülerbeförderung für behinderte Kinder in der City-West hat zu vielen Beschwerden geführt.
Schlechter Start. Die neue Schülerbeförderung für behinderte Kinder in der City-West hat zu vielen Beschwerden geführt.Foto: dapd

Seit „Berlinmobil“ damit am Donnerstag begann, kamen laut Schulstadträtin Elfi Jantzen (Grüne) viele Kinder zu spät oder wurden vereinzelt zur falschen Schule gebracht. Kinder im Rollstuhl seien nicht richtig angegurtet worden. „Wir prüfen mit dem Rechtsamt, ob wir vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen können.“

Betroffen sind die Arno-Fuchs-Sonderschule, das Sonderpädagogische Förderzentrum Peter-Jordan-Schule sowie die Finkenkrug-Schule für geistig Behinderte. Deren Leiterin Christiane Horndasch nennt die Lage „dramatisch“, die Fahrer seien „völlig überfordert“. Unter den Schülern seien Autisten, die sehr sensibel reagierten. Man habe Stunden gebraucht, um Erst- und Zweitklässler zu beruhigen. Aus der Arno-Fuchs-Schule hieß es, der Fahrdienst sei eine „Katastrophe“.

Die Gesamtelternvertretung der Finkenkrug-Schule forderte die sofortige Rückkehr zum Malteser-Fahrdienst. Besorgte Mütter und Väter hatten schon vorab gegen den Wechsel protestiert. Elternvertreterin Bianca Faszl sagte, ihre siebenjährige Tochter sei erst nach Schulbeginn abgeholt worden. Der Fahrer habe weder ein benötigtes Sitzkissen noch ein Navigationsgerät besessen und mit einem Stadtplan neben sich „gefragt, wie er zur Schule kommt“.

Von anderen Eltern hörte sie Beschwerden über ein Fahrzeug ohne gültige Tüv-Plakette und nicht behindertengerechte Kleinbusse. Nach Kenntnis der Elternsprecherin soll ein Kind minutenlang ohne Aufsicht geblieben sein und eine Mutter mit ihrem Kind draußen eine Dreiviertelstunde lang vergeblich auf die Abholung gewartet haben. Manche Fahrer hätten nicht einmal gewusst, dass sie behinderte Kinder transportieren sollen.

Schülerbeförderungen müssen alle drei Jahre neu ausgeschrieben werden, für Charlottenburg-Wilmersdorf tat dies das Landesverwaltungsamt. Berlinmobil war offenbar der billigste Anbieter.

„Wechsel sind immer mit Problemen behaftet“, sagte Firmenchef Frank Richert. Es sei aber nicht fair, Pannen nur den 22 Fahrern anzulasten. So habe einer von ihnen erst bei der Abholung erfahren, dass ein Begleiter mitfahren wollte und für diesen dann keinen Platz mehr gehabt. Das Unternehmen befördere täglich „weit über 1000 Schüler“, habe damit seit 1990 Erfahrung und sei für „fast alle Bezirke“ im Einsatz. Doch diesmal habe man „die Beförderungsdaten sehr kurzfristig erhalten“. Zudem werde nicht mehr der Zeitaufwand bezahlt, es gelte ein knapp kalkulierter Festpreis pro Kind.

Die Fahrer seien Angestellte anderer Fahrdienste, die als Kooperationspartner und Subunternehmer für Berlinmobil tätig seien, sagte Richert am Sonnabend und widersprach damit der Darstellung, die Fahrer selbst seien Subunternehmer. Nächste Woche werde alles besser organisiert sein. Mindestens ein Fahrer hat den Dienst aber schon entnervt quittiert.

Als falsch erwiesen sich Gerüchte, der Firma sei in Pankow und Spandau gekündigt worden. Der zuständige Referent in Spandau sagte, Berlinmobil sei dort seit dem Schuljahr 2011/12 im Einsatz. Anfangs habe es „eine Vielzahl“ von Pannen gegeben, dann habe sich die Situation beruhigt. „Ganz rund läuft es allerdings immer noch nicht.“ Grundsätzlich seien manche Schwierigkeiten „situationsbedingt, wenn sich etwas ändert und Absprachen wegfallen“. Nach den Erfahrungen der Pankower Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) gibt es dort mit Berlinmobil nicht mehr Probleme als mit anderen Anbietern. 


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