Panorama am Checkpoint Charlie : Die Rückkehr des Mauerstreifens
05.09.2012 00:00 UhrAuge und Ohr werden in Anspruch genommen
Das 360-Grad-Panorama zeigt einen Blick von Kreuzberg nach Mitte, präsentiert wird dabei der Alltag mit der Mauer an einem fiktiven Herbsttag in den achtziger Jahren, durch die Lichtgestaltung und die Klanginstallation zu wechselnden Tageszeiten. Asisi kannte die Mauer gut: „Ich habe in den achtziger Jahren in Kreuzberg an und mit der Mauer gelebt. Das Panorama bündelt meine Erfahrungen und erzählt dem Betrachter detailreich Geschichten, die so nicht zeitgleich geschehen wären. Die vielen Alltagsgeschichten im Panoramabild zeigen, dass die Bewohnern sich an die Umstände anpassen.“ Schon früh hatte Asisi sich auch künstlerisch an dem Betonwall versucht: 1986 hatte er „Mauerdurchblicke“ geschaffen, illusionistische Malereien an der Mauer. Den Grenzern haben die Bilder vermutlich nicht gefallen.
Die „Härte der Grenze“, den „Riss, der durch die Stadt ging“, das „Erschreckende der Normalität“ werde man spüren, verspricht Asisi. Auge und Ohr würden dabei in Anspruch genommen. Wie beim Pergamon-Panorama also, doch mit einem kleinen Unterschied: Dort wurde das Panorama parallel zu einer Sonderausstellung geschaffen, über deren Schließung hinaus sie nun zwar zwei Wochen länger gezeigt wird, aber dann wird das Rundgemälde der antiken Stadt endgültig abgebaut. Am Checkpoint Charlie ist Asisis Panorama aber auf längere Sicht hin entworfen. Erst wenn das Areal tatsächlich bebaut werden soll, ist auch für die Mauer Schluss.
Nach derzeitigem Planungsstand sollen dort in etwa zwei Jahren Büro- und Geschäftshäuser errichtet werden, ebenso auf dem gegenüberliegenden Grundstück, wo dann das geplante Museum des Kalten Krieges einziehen könnte. Als Vorgeschmack steht dort die Blackbox zum selben Thema kurz vor der Vollendung, die Eröffnung ist im zeitlichen Umfeld des Panorama-Starts geplant. In der Blackbox werden diverse Materialien zum Thema gezeigt, darunter auch Filmausschnitte, aus „Eins, zwei, drei“ etwa oder „Octopussy“, dem 1982 auch am Checkpoint Charlie gedrehten James-Bond-Film. Aber gegen das Panorama und seine illusionistische Wirkung kommt wohl nicht mal 007 an.
Das Mauer-Panorama von Yadegar Asisi eröffnet am 22. September und ist dann täglich von 10 bis 20 Uhr zu besichtigen. Karten kosten 10, ermäßigt 8,50 Euro. Den Besucherservice erreicht man unter Tel. 0341-355534-0. Weitere Informationen gibt es unter www.asisi.de.

















