Berlin : Papa ist der Superstar

Reigen der Stars: Will Smith und Tim Robbins stellen in Berlin ihre neuen Filme vor

Andreas Conrad

Ein unvergesslicher Auftritt, dieser Abend des 18. Februar 2005 im Hyatt, als Will Smith auf einer Pressekonferenz seinen Film „Hitch“ vorstellt. Vielleicht nicht für ihn, die Hauptperson, er ist dergleichen ja sicher gewohnt. Aber doch für alle Pressevertreter, die Zeuge sein dürfen für den Ausbruch seiner Leidenschaft – und dann natürlich für die Frau, der diese wahrhaft vulkanische Szene gilt: Nur harmlos nach seinen Küssen in „Hitch“ hat sie den Star befragt, da springt er schon auf, stürzt sich auf die Journalistin, umhalst sie, küsst wild drauflos, eine für den Rahmen doch ungewöhnliche Art der Antwort – wenngleich sie, auch dies sei nicht verschwiegen, auf manchen Anwesenden wie ein abgekartetes Spiel erscheint, ein PR-Gag der Leidenschaft, passend ausgewählt zum Stoff des Films.

Dergleichen dürfte beim anstehenden Besuch von Will Smith nicht wieder passieren, das wilde Geknutsche passt nicht zum Film. „Das Streben nach Glück“, so der Titel, lässt zwar den einen oder anderen Filmkuss erwarten, aber Will Smith spielt doch diesmal nicht den draufgängerischen Single, sondern den treusorgenden Vater Chris Gardner, dem die Frau davongelaufen und der Job abhanden gekommen ist und der nun mächtig strampeln muss, um nicht samt seinem fünfjährigen Sohn als soziales Strandgut zu enden. Den spielt der Sohnemann des Schauspielers, der sieben Jahre alte Jaden Christopher Syre Smith, den der Papa samt seiner Frau Jada Pinkett am 9. Februar abends zur Deutschland-Premiere des Films ins Cinestar am Potsdamer Platz mitbringt – schon dies dürfte Auftritte wie den zu „Hitch“ ausschließen. Eher dürfte sich Smith wieder die beiden Metallmarken umhängen, die er zur „Men in Black II“-Premiere im Sommer 2002 getragen hatte, auf der einen den Namen seiner Frau und der Tochter, auf der anderen den seines Sohnes. Ein sehr militärisches Accessoire, nicht zufällig, wie er erklärte: „I’m a soldier of my family.“ Solche Helden soll es ja geben.

Die Smith-Family, verstärkt durch Regisseur Gabriele Muccino sowie den realen Chris Gardner, dessen Geschichte der Film erzählt, eröffnen in diesem Jahr in Berlin den Reigen der Hollywoodstars, fortgesetzt wird er am 10. Januar. An noch ungenanntem Ort findet am Abend eine Spezialaufführung von „Catch a Fire“ statt, einem Thriller aus dem Südafrika der Apartheidzeit. Anlass ist der Berlinbesuch von Tim Robbins, der in dem Film einen weißen Polizisten spielt und tags darauf in Berlin Interviews gibt. Auch Robbins ist nicht zum ersten Mal in der Stadt, im Rahmen der Berlinale war er 2005 Gast bei der „Cinema for Peace“-Gala.

Gleichfalls an diesem Abend wird zudem im Delphi der Start des Films „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ von Dani Levy gefeiert, mit Helge Schneider in der Titelrolle. Schließlich findet gleich zu Monatsbeginn in Berlin die Premiere eines weiteren deutschen Films statt: „Verfolgt“, die Geschichte einer Leidenschaft zwischen einer schon gereiften Bewährungshelferin und einem jungen Straftäter. Zu der Feier am 4. Januar im Kino in den Hackeschen Höfen werden Regisseurin Angelina Maccarone und ihre beiden Hauptdarsteller Maren Kroymann und Kostja Ullmann erwartet. Ein erfolgreiches Trio: „Verfolgt“ hatte in diesem Jahr bei den Filmfestspielen in Locarno den Goldenen Leoparden im Wettbewerb „Cinéastes du Présent“ für innovative Filmkunst gewonnen.

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