Berlin : Papierkorb Superstar

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Von Tanja Buntrock

Bis vor kurzem stand noch der Mensch, genauer gesagt: der Müllbeseitiger im Mittelpunkt der Berliner Stadtreinigung (BSR). „We kehr for you“ versicherten die lustigen BSR-Männer in ihren orangefarbenen Overalls auf großflächigen Plakaten in der Stadt.

Bei der neuesten BSR-Kampagne dreht sich nun alles um den Mülleimer. 20 356 Stück gibt es davon in der Stadt. Die Berliner sollen die orangefarbenen Behälter bitteschön mehr benutzen, damit die Stadt sauberer wird. So lautet die jüngste Botschaft des Unternehmens: „Wenn Sie auch mal was loswerden wollen.“ Im Bewusstsein der Bürger habe es mit Hilfe früherer Kampagnen Veränderungen gegeben, sagt Sprecher Bernd Müller. „Aber im Verhalten nicht. Wir wollen vermitteln, dass es nicht reicht, dass nur unsere Mitarbeiter den Müll beseitigen, sondern dass jeder Bürger selbst angehalten ist, dafür zu sorgen, dass es sauber bleibt.“

Den Auftakt für die neue Kampagne machten vor über einer Woche vier Plakatmotive: Hundehaufen, zerbeulte Bierbüchsen, eine leere Trinkflasche und eine Zigarettenkippe. Unklar blieb, wer dahinter steckt. Seit gestern ist die geklebte Auflösung in der Stadt zu sehen: Nun sind Mülleimer um den Abfall gezeichnet. „Zudem werden wir die Kampagne mit einigen Aktionen begleiten“, sagt Müller. So sind ab Freitag mehrere zwei Meter große Abfallbehälter in der Stadt aufgebaut. „Für Anfänger“ wird draufstehen. „Zudem stellen wir viele Eimer auf, zu denen kleine, orangefarbene Treppen führen. Das Motto hier: „Für unsere Kleinen“ – schließlich muss auch der Nachwuchs gegenm den Dreck mobilisiert werden.

Dass in Bezirken wie Spandau und Steglitz-Zehlendorf die Papierkörbe in den Parks abgeschraubt werden, hält man bei der BSR für „keine gute Idee“. Müller: „Da landet der Müll doch erst recht überall da, wo man geht und steht.“

Doch ganz gleich, ob demnächst – unterstützt von der 500 000 Euro teuren Kampagne – weniger Unrat auf den Straßen liegt oder nicht: Es könnte sein, dass der BSR bald Ärger ins Haus steht. Die Entgelte des Müllentsorgers sind Thema einer Verfassungsbeschwerde beim Berliner Verfassungsgericht: Die Entgelte seien zu hoch, findet der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücknutzer (VDGN), Eckhart Beleites.

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