Berlin : Pappgeschirr im Porzellanladen

Die Königliche Manufaktur an der Straße des 17. Juni geht, Burger-King will kommen. Pro und Contra: Eine Fastfood-Kette im Berlin-Pavillon?

Stefan Jacobs

Vielleicht kann sich der Burger-King-Konzern bald rühmen, das architektonisch bedeutendste Fastfood-Restaurant der Hauptstadt zu betreiben. Adresse: Straße des 17.Juni Nr. 100, besser bekannt als Berlin-Pavillon.

Errichtet wurde der luftige Flachbau mit seinen 450 Quadratmetern Ausstellungsfläche als Teil des Hansa-Viertels zur Internationalen Bauausstellung 1957. Über Jahrzehnte nutzte ihn das Land, um Stadtentwicklung und Architektur auszustellen. Anfang 2002 mietete ihn die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) provisorisch für ihre Verkaufsausstellung. Und im Frühjahr 2003 schrieb ihn der landeseigene Liegenschaftsfonds zum Verkauf aus. Mindestgebot: 460000 Euro. Käufer: ein Projektentwickler, der für Burger King eine Filiale mit Drive-in und Parkplatz plant. „Ein Aushängeschild“ für das Frittenimperium kündigt Christian Groenke, Geschäftsführer des Projektentwicklers, an. Auffällige Werbung sei zwar notwendig, werde aber „im Rahmen bleiben“. Alle Eingriffe am Gebäude ließen sich wieder rückgängig machen, die Größe des Parkplatzes sei verhandelbar und um die Pflege des etwa 5500 Quadratmeter großen Grundstückes werde man sich selbstverständlich ebenfalls kümmern.

Die Denkmalbehörden haben das Vorhaben bereits abgenickt, aber Mittes Stadtentwicklungsstadträtin Dorothee Dubrau (Grüne) will es verhindern: Die Grünfläche ringsum sei „seit Jahrzehnten“ geschützt, so dass kein Parkplatz gebaut werden könne. Das Bezirksamt werde die Fläche „auf keinen Fall umwidmen“. Dagegen ließe sich das Landesdenkmalamt lieber auf Kompromisse ein, als den Pavillon leer stehen zu lassen. Der Mietvertrag der KPM läuft Mitte 2004 aus, denn dann kann der Porzellanladen wieder ins historische KPM-Quartier jenseits der Bahntrasse ziehen. Außerdem seien Eingriffe akzeptabel, wenn der neue Eigentümer dafür die Umgebung in Ordnung bringe, sagt Klaus Lingenauber vom Landesdenkmalamt. Der Bezirk habe die Grünfläche „jahrelang vernachlässigt“, weshalb der jetzige Protest etwas deplatziert sei.

Bleibt es beim Nein des Bezirkes, könnten die Investoren den Umweg über die Stadtentwicklungsverwaltung nehmen.

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